Atommülllager in Gorleben!

Mitte September hat Greenpeace Wärmeaufnahmen des Atommüllzwischenlagers in Gorleben veröffentlicht, auf denen ihrer Meinung nach zu sehen ist, dass aufgeheizte und möglicherweise radioaktive Luft aus Luftschlitzen ungefiltert austritt.
Und schon wird wieder heftig über den Standort Gorleben diskutiert. Und das nicht zum ersten Mal, denn schon seit Mitte der siebziger Jahre ist der Standort umstritten.

Aktivisten wollen nun auch den geplanten Castor-Transport im Herbst 2011 stoppen, da der Jahresgrenzwert für die Strahlenbelastung voraussichtlich überschritten werden wird. Zur Zeit liegt der aktuelle Wert bei 0,27 Millisievert, so dass die Möglichkeit besteht, dass der Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert überschritten wird. Gemessen wird die Strahlenbelastung am Zaun des Geländes. Daher wird von den Betreibern überlegt, die Castoren innerhalb der Lagerhalle umzustellen, damit der Abstand zum Zaun größer wird.

Warum über Gorleben immer wieder diskutiert wird und welche Schwierigkeiten es mit der Lagerung von Atommüll generell gibt, erfahrt ihr hier.

Was ist radioaktiver Abfall?

Als radioaktiver Abfall werden anfallende radioaktive Stoffe aus Medizin, Industrie und Kernenergie bezeichnet, die nicht mehr verwendet werden können.
Der radioaktive Abfall wird in drei Gruppen eingeteilt:

  • schwachradioaktiv: z.B. Arbeitskleidung
  • mittelradioaktiv: z.B. Rohre aus Kraftwerken, durch die radioaktive Substanzen geflossen sind.
  • hochradioaktiv: z.B. Brennelemente (wie Uranstäbe)


Der hochradioaktive Müll macht nur einen Prozent des Mülls aus, verursacht allerdings 99 Prozent der Radioaktivität, so dass die Entsorgung dieses Mülls die Betreiber und den Staat vor die größte Herausforderung stellt.

Zurzeit sind in Deutschland noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Sie produzieren jährlich 400 Tonnen radioaktiven Abfall. Hinzukommt noch der Abfall der stillgelegten Atommeiler und unser wiederaufbereiteter Atommüll, der per Castortransport nach Deutschland zurückkommt.
Insgesamt "besitzt" Deutschland im Moment ca. 13.400 Tonnen Atommüll. Weitere Infos zum Thema Atomenergie findet ihr HIER.

Wo kann man Atommüll lagern?

Die Gesteinsarten Salz, Ton und Granit eigenen sich zur Einlagerung von Brennstäben aus Atomkraftwerken. Deutschland bevorzugt im Moment Salz, wobei in Zukunft auch Granit und Ton berücksichtig werden sollen.
Wichtig ist dabei, dass kein Wasser in die Atomlager eindringt, denn Wasser nimmt die Radioaktivität auf und so gelangt diese möglicherweise in das Grundwasser.
Außerdem muss ein Atommülllager sicher vor Erdbeben oder Verschiebungen der Gesteine sein, da sonst die Fässer, in denen die radioaktiven Stoffe eingelagert werden, beschädigt werden könnten und dann die Radioaktivität austritt.

Warum wird so heftig über das Salzwerk in Gorleben als Atommülllager diskutiert?

Schon seit den siebziger Jahren war Gorleben als Atommülllager im Gespräch. Die Regierung unter Helmut Schmidt suchte dringend nach einem Endlager für den Atommüll, da sonst die Atomkraftwerke nicht weiter in Betrieb hätten bleiben dürfen.
Die Regierung entschied sich dafür, den Salzstock in Gorleben erkunden zu lassen. Seit dem sind viele verschiedene Gutachten von Geologen erstellt worden und die Meinungen gehen bis heute weiter auseinander.

Greenpeace und diverse Wissenschaftler sind aus verschiedenen Gründen davon überzeugt, dass das Salzwerk in Gorleben nicht geeignet ist.
Der Bauingenieur Klaus Dophorn z. B. ist davon überzeugt, dass das Salzwerk viel zu nah an der Erdoberfläche und dadurch am Grundwasser liege.
Umliegende Seen und Teiche seien salzig geworden, was den Verdacht nahe legt, dass die Radioaktivität auch in umliegende Seen gelangt (ist).
Außerdem besitzt der Staat nicht genug Teile des Salzstocks in Gorleben, um es weiter mit Atommüll füllen zu können. Deshalb müssten in Zukunft mehrere Gemeinden, Kirchen und Einzelpersonen enteignet werden. Von dieser Seite wurde aber schon angekündigt, dann zu klagen.

Wird Gorleben zum Endlager werden oder gibt es alternative Standorte?
Bis heute wurden ca. 1,6 Milliarden Euro in das Salzstockwerk in Gorleben investiert. Weitere alternative Standorte wurden bisher nicht gesucht. Denn dazu braucht die Bundesregierung die Zustimmung der einzelnen Bundesländer, die aber zum großen Teil kein Atommülllager "vor ihrer Haustür" haben möchten.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe führt schon seit geraumer Zeitweitere tiefergehende Untersuchungen zum Salzgestein durch. Auch wenn diese noch nicht abgeschlossen sind, kann nach bisherigen Ergebnissen gesagt werden, dass das Salz des Salzstocks auch zur Endlagerung radioaktiver Abfälle geeignet ist.

Hier seht ihr die Fotos von Gorleben, den Castortransporten und den Protesten, sowie die von Greenpeace veröffentlichten Wärmebilder des Zwischenlagers.