CD Tipp Archiv

Gotye – „Making Mirrors“

Wouter „Wally“ De Backer, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Gotye, ist in seiner Heimat Australien schon längst kein Geheimtipp mehr. Mit dem Song „Somebody That I Used To Know“, den er zusammen mit der neuseeländischen Sängerin Kimbra aufnahm, ist Gotye nun im Begriff, auch Europa und den Rest der Welt zu erobern. Das YouTube-Video zur Single kann mittlerweile über 30 Millionen Aufrufe verzeichnen.
In einer alten Scheune auf dem Grundstück seiner Eltern entsteht Gotyes Musik. Hier kann er in Ruhe experimentieren und so entstand auch das neue Album „Making Mirrors“. In „State Of The Art“ sind verzerrte Stimmen zu hören und bei „I Feel Better“ fühlt man sich sofort in die 60er Jahre zurückversetzt. Interessant sind auch die Spielereien mit Instrumenten, die er so verfremdet, dass sie ganz anders klingen. Aber es geht noch ungewöhnlicher: Für den Song „Eyes Wide Open“ kam sogar ein mit Metallsaiten bespannter Zaun als Bass zum Einsatz. Diesen fand er irgendwo im einsamen australischen Outback.
Auf „Making Mirrors” entdeckt man eine völlig neue Klangwelt: von Synthie-Pop bis hin zu Retro-Sounds. Langeweile ist fehl am Platz, wenn Gotye Musiksamples von alten Vinylplatten mit Aufnahmen verarbeitet und so unglaubliche Klänge erschafft. Die Musik ist irgendwie anders und dabei trotzdem melodiös und vor allem sehr eingängig.


Marit Larsen – Spark

Marit Larsen gelang 2009 mit ihrem Ohrwurm „If A Song Could Get Me You“ der Durchbruch in Deutschland. In ihrer Heimat Norwegen ist sie allerdings schon seit längerem erfolgreich musikalisch unterwegs. Nun meldet sich die zierliche Musikerin mit einem neuen Album namens „Spark“ zurück. Marit hielt sich ganze acht Monate in New York auf, um sich für neue Songs inspirieren zu lassen: „Es war schön, ein bisschen isoliert zu sein und herauszufinden, wer ich geworden war. Wer bin ich, wenn niemand zuhört? Was tue ich, wenn niemand irgendetwas erwartet?"
Von der Hektik in New Yorks Straßen ist auf dem Album aber nichts zu hören. Im Gegenteil, Marit verzaubert mit ihrer sanften Stimme und präsentiert insgesamt zehn wunderschöne Popsongs. Perfekt in die Winterzeit passen die verträumten Balladen, wie „Keeper Of The Keys“ und „I Can’t Love You Anymore“. Aber die Norwegerin zeigt auch ihre lebendige Seite, wenn man bei „Me And The Highway“ oder der aktuellen Single „Coming Home“ sofort anfängt mitzuwippen.
Marit Larsen bietet auf ihrem neuen Album handgemachte Popmusik, die Elemente aus Folk und Country miteinander verbindet. Als echte Vollblutmusikerin spielte sie natürlich fast alle Instrumente selbst ein, vom Klavier bis zur Mandoline. Wenn es draußen regnet und stürmt, lädt „Spark“ zu einem kuscheligen und entspannten Abend zuhause auf dem Sofa ein.
Am 8. Dezember 2011 war Marit Larsen bei uns im ffn-Funkhaus zu Gast und sprach im Interview über ihr neues Album „Spark“, ihre Heimat Norwegen und was sie so in ihrer Freizeit macht. Das Interview findet ihr HIER.


Amy Winehouse – „Lioness: Hidden Treasures“

Am 23. Juli 2011 starb Amy Winehouse an einer Alkoholvergiftung. Nur vier Monate nach dem Tod der talentierten Sängerin erschien nun ein Album mit bisher Unveröffentlichtem und Perlen aus Amys Nachlass. „Lioness: Hidden Treasures“ ist also kein drittes Studioalbum, sondern eine Art Nachruf.
Von den musikalischen Schätzen der Platte ist besonders „The Girl From Ipanema“ zu erwähnen. Amy Winehouse war bei der Aufnahme gerade einmal 18 Jahre alt und singt den Klassiker in einer jugendlichen Leichtigkeit, die bei allen späteren Aufnahmen kaum mehr zu hören ist. Das Duett „Body And Soul“ mit Tony Bennett war die letzte Aufnahme der Britin vor ihrem Tod. Ein ganz neuer und bisher unveröffentlichter Song ist „Between The Cheats“, in dem Amys soulige Stimme bestens mit dem 60er Jahre-Sound harmoniert. Unter den zwölf Songs befinden sich weiterhin ein Duett mit dem Rapper Nas und Originalversionen, z.B. von „Valerie“.
Das Album wurde von Amys Eltern und dem befreundeten Produzenten Mark Ronson zusammengestellt, die allesamt persönliche Texte für das CD-Booklet verfasst haben und so die zierliche Sängerin würdig verabschieden. Ihr Vater Mitch schreibt unter anderem: „Ich habe so viel Zeit damit verbracht, Amy hinterherzujagen und ihr eine Standpauke zu halten, dass ich nie erkannt habe, was für ein wahres Genie sie war. Erst als ich mich hinsetzte und mit dem Rest der Familie dieses Album anhörte, erkannte ich die Bandbreite von Amys Talent, von Jazz-Standards bis Hip-Hop, und es hat mir wirklich die Sprache verschlagen“.
„Lioness: Hidden Treasures“ ist ein gelungener Abschied von einer großartigen Künstlerin, die in den Monaten vor ihrem Tod leider mehr durch Drogen- und Alkoholprobleme, als durch ihre wunderbare Musik in den Schlagzeilen war.


R.E.M. – „Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage, 1982-2011“

Nicht jede Band gibt auf dem Gipfel des Erfolgs ihre Auflösung bekannt. Und dann auch noch völlig skandalfrei und ohne Streitereien. Bei R.E.M. war das aber so, als sie Ende September die weniger frohe Botschaft auf ihrer Website kurz und knapp mitteilten. Als Dankeschön für die Fans veröffentlichte die Band jetzt ein Best Of und lässt so noch einmal die knapp 30-jährige Karriere Revue passieren.
Insgesamt 40 Titel beschreiben in chronologischer Reihenfolge die Entwicklung der US-Amerikaner, die sich 1980 in Athens, Georgia, zu R.E.M. zusammen geschlossen haben. Mit „Gardening At Night“ aus dem Jahr 1982 beginnt die Werkschau, dann folgen die großen Hits wie „Losing My Religion“, „Man On The Moon“ oder „Imitation Of Life“. Die letzten drei Titel des Albums sind neue, bisher unveröffentlichte Songs aus der Schaffensphase des letzten Albums.
Besonders schön ist das Booklet der Doppel-CD. Hier sind Kommentare der Band-Mitglieder zu allen Songs notiert und so erfahren wir, dass Michael Stipe beispielsweise „Shiny Happy People“ auch nach Jahren immer noch nicht leiden kann.
Der Titel des Albums ist ein Zitat von R.E.M.-Gitarrist Peter Buck aus dem Jahre 1988, als dieser in einem Interview sagte: „R.E.M. is part lies, part heart, part lies and part garbage.“
Das Best Of-Album von R.E.M. ist nicht nur eine Sammlung der wichtigsten Hits, sondern gibt auch einen guten Überblick über das gesamte Werk der amerikanischen Band. Es ist der krönende Abschluss einer Erfolgsgeschichte – 85 Millionen verkaufte Tonträger sprechen schließlich für sich – aber die zeitlose Musik von R.E.M. wird sicher noch viele Jahre in Erinnerung bleiben.


Herbert Grönemeyer – „Schiffsverkehr Tour 2011: Live in Leipzig“

Am 16. Juni 2011 war die Aufregung in Leipzig groß: In der Red Bull Arena trat am Abend Herbert Grönemeyer auf und begeisterte seine Fans mit einem durchweg tollen Konzert. Mit über 13 Millionen verkauften Alben ist er einer der erfolgreichsten deutschen Künstler und kann auf eine fast 30-jährige Karriere zurückblicken.
Für seine Konzerte der Schiffsverkehr-Tour hat Grönemeyer eine wunderbare Songauswahl getroffen. Klassiker wie „Bochum“, „Männer“ oder „Flugzeuge im Bauch“ bescherten ein Fest für Nostalgiker. Aber auch die Liebhaber der neueren Werke kamen nicht zu kurz. Fast alle Songs des Albums „Schiffsverkehr“ gab Herbert Grönemeyer bei seiner Show in Leipzig zum Besten. Der Musiker war auch an jenem verregneten Abend zu Scherzen aufgelegt. So witzelte er über die Beständigkeit seiner Frisur und sprang ausgelassen auf der riesigen Bühne umher.
Als Bonus sind auf der zweiten DVD die Leinwand-Filme von Anton Corbijn und ein Interview mit Grönemeyer zu sehen. Darin spricht er über seine Musik und erzählt von den bisherigen Erfahrungen auf Tourneen.
Insgesamt 16 Konzerte vor über 500.000 Menschen hat Herbert Grönemeyer auf seiner Schiffsverkehr-Tour in diesem Jahr gespielt und die DVD hält die grandiose Stimmung und Live-Atmosphäre fest. Der begnadete Musiker stand auch in Leipzig wieder einmal über zwei Stunden auf der Bühne und die Setlist umfasst ganze 25 Titel. Auch wenn Grönemeyer mittlerweile ein Routinier in Sachen Tournee ist, hat er immer noch großen Spaß, gemeinsam mit seinen Fans zu feiern.