ffn-exklusiv: Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer fordert Pflanzenschutz-Steuer

15. März 2017

Ein neues Gutachten stuft den Unkraut-Vernichter Glyphosat nicht als krebserregend ein. Die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse würden nicht die Kriterien erfüllen, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten, teilte die europäische Chemikalien-Agentur Echa mit. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer sagte dazu dem Sender ffn in Hannover:

"Diese Chemikalien-Agentur hat sich eben wie auch die vorherigen Gremien sich sozusagen vorhandene Studien angeschaut. Die Bedenken, die viele Wissenschaftler erhoben haben, führende Krebsforscher, dass es eine Reihe von Studien gibt, die eine krebserregende Wirkung nahe legen, dass die nicht berücksichtigt worden sind, die teile ich. Und die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation, als wahrscheinlich krebserregend, bleibt. Es ist aber auch Fakt: Hätte diese Chemikalienagentur gesagt, dass es möglicherweise krebserregend ist, wäre Glyphosat automatisch verboten. Denn es gibt bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eine harte EU-Gesetzgebung, die sozusagen sagt, wenn ein Stoff krebserregend, cancerogen ist, dann darf er in Pestiziden, in Pflanzenschutzmitteln nicht mehr verwendet werden. Eine andere Entscheidung wäre sozusagen automatisch das K.O. gewesen. Jetzt bleibt die Entscheidung über Glyphosat weiter offen."

Meyer würde es gut finden, "wenn man eine Einigung mit den Umweltverbänden, den Glyphosat-Kritikern und der EU-Kommission hinkriegt, ob man da mal eine von beiden Seiten getragene Einrichtung drüber schauen lässt". Er befürwortet zudem die Einführung einer Pflanzenschutz-Steuer, deren Höhe sich an Risiken und externen Folgen orientiert:

"Es ist generell so, weil es wirklich unbestritten ist, dass Glyphosat negative Auswirkungen hat auf die Artenvielfalt, auf Gewässer und auf die biologische Vielfalt und wir haben ja einen massiven Rückgang an Bienen, an Insekten in Europa. Das hat auch was mit einem sehr hohen Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden zu tun. Und deshalb halte ich eine solche Pflanzenschutzabgabe wie in Dänemark, dort gibt es so etwas. Die führt dazu, dass solche Stoffe effizienter eingesetzt werden. Pestizide sind oft zu billig und die dürfen nicht eingesetzt werden als Ersatz für andere Maßnahmen. Der Ökolandbau zeigt ja seit Jahren, dass man auch ohne Pestizide und Pflanzenschutzmittel auskommt. Und deshalb bin ich ein Befürworter einer solchen Abgabe."


Lars Könecke
Nachrichtenredaktion

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