Bosse hätte gern Papageien!

Bosse hat mit Klaas Scholtalbers über sein neues Album „Alles ist jetzt“ und sein Leben auf Tour gequatscht. Hier gibt's das ganze Interview zum Lesen und Nachhören!

Hier könnt ihr euch das ganze Interview durchlesen!

Klaas: Herzlich willkommen Bosse!

Bosse: Hallo!

K: Schön, dass du da bist.

B: Danke für die Einladung.

K: Und herzlichen Glückwunsch zum zweiten Nummer 1 Album.

B: Dankeschön! Ich habe mich sehr gefreut.

K: Ja, bedeutet dir das was? Also viele Künstler sagen ja: „Ah die Nummer 1 ist mir eh egal, es geht um die Musik“.

B: Ich sag das dann vorher immer. Das stimmt auch. Abgesehen von so Feedback, was man so bekommt, was dann mal gut und mal scheiße sein kann. Davor habe ich viel mehr Angst.
Aber auch da muss ich sagen, war das bei dem Album echt so positiv und die Leute verbinden damit viel. Das bedeutet mir natürlich eine Menge.
Die Konzerthallen werden voll und das geht weiter. Das ist ja erst mal so jedes Grundziel. Und die Leute finden das nicht scheiße, sondern die finden das sehr, sehr gut was ich gemacht habe.
Und dann habe ich da echt so zweieinhalb, drei Jahre härteste Arbeit reingesteckt. Das ist dann schon ein tolles Lob.
Wenn dann aber noch oben drauf ne 1 kommt, in so 'ner Zeit die man Herbst nennt, wo der Plattenmarkt immer sehr heiß ist und die dicken Lady Gagas und Bradley Coopers kommen und Maite Kellys und Bonez MC und keine Ahnung. Dann war das schon krass, jetzt eine 1 zu haben.
Da hab ich mich richtig gefreut. Also Wahnsinn.

K: Wo du jetzt schon bei Lady Gaga und Bradley Cooper bist: hast du den Film geguckt, A Star is born?

B: Hab' ich noch nicht geguckt. Hatte ich, wenn ich ehrlich bin, noch keine Zeit für. Möchte ich gern gucken. Aber ganz ehrlich, meine treue Fan-Basis hat Lady Gaga weggehauen. So sieht's mal aus!

K: So sieht's aus.

B: So sieht's nämlich aus!

K: Gehackt legen, soll die sich! Aber der Film ist gut, den kann ich dir wirklich empfehlen.

B: Ja ich hab' viele tollte Stimmen gehört, aber ich hab keine Zeit. Jetzt geh' ich erst mal auf Tour. Ich guck mir den irgendwann im April an, wenn alles fertig ist. Wenn die zweite Tour durch ist.

K: Wenn keiner mehr drüber spricht, ist es sowieso cooler. Inwiefern hat sich denn so der Schaffungsprozess von dem Album, du hast gesagt zwei bis drei Jahre Arbeit, in so ein Album reingesteckt, von „Kamikazeherz“ bis „Alles ist jetzt“, gibt’s da so Sachen die man dann "verperfektioniert"?

B: Na, das was ich auf jeden Fall tue, ich hör einfach gar nicht mehr auf zu schreiben. Früher war das so, da habe ich ein Album rausgebracht, dann hab' ich einfach erstmal aufgehört und nur noch getourt oder rumgehangen. Und heute ist es aber schon so, dass ich einfach gar nicht mehr aufhören.
Ich versuche immer in dem Flow des Schreibens zu bleiben. Was okay ist. Aber es hört eben auch nie auf ne, also Urlaub ist dann erstmal nicht mit der Birne im Kopf. Ist dann einfach oft, dass ich einfach weitermache und sonst wird es nicht einfacher, ne. Also es ist natürlich so, das ist mein siebtes Album.

K: Ja, ich kann mir das vorstellen.

B: Ja, ich sag mir dann immer „Ich will mich niemals wiederholen“. Was natürlich gar nicht geht. Und trotzdem gibt's in der heutigen Zeit einfach genug Themen, die mir so auf der Seele gebrannt haben. Aber diese Themen finden und die eigene Sprache weiter so ausbauen, fresh bleiben in der Musik, Bock zu haben sich neu zu begeistern, das sind Themen mit denen ich mich dann beschäftige.

K: Nico Santos meinte letztens zu mir, wenn er Songs schreibt dann setzt er sich tatsächlich an den Schreibtisch und fängt einfach an zu schreiben.
Das sieht bei dir dann anscheinend ja ganz anders aus.

B: Ich hab' keinen Schreibtisch, ich habe eben ein Klavier. Aber so ähnlich sieht das auch aus.
Also die Wahrheit ist, ich habe mich in den letzten Jahren auf jeden Fall so fortgebildet, was die Studiotechnik und so angeht und hab dann irgendwann mal gemerkt, dass das alles Bullshit ist für mich. Weil, ich habe mit 13 glaube ich meinen ersten Song geschrieben am Klavier, mit dem weißen Blatt Papier und dann lag da noch 'ne Gitarre und eigentlich, ganz ehrlich, hat sich seitdem, und das sind jetzt 25 Jahre, hat sich nichts verändert.
Ich fange immer wieder bei null an. Ich weiß nicht warum ich irgendwie ein Song geschrieben habe oder wie. Das hat ganz, ganz oft was mit Glück zu tun und mit Arbeit. Oder sich dahin zu arbeiten und der ganze Rest, der passiert eben über 'ne Idee. Also ich brauche 'ne Idee, warum ich ein Lied schreibe. Einen triftigen Grund. Und dann kann ich schreiben, sitzen und dann irgendwann Text und Musik dann auch verbinden.
Aber das hat sich einfach nicht geändert. Ich bin nicht schlauer geworden. So kann man’s sagen.
Es ist immer noch schwer. Und manchmal ist es mega leicht.

K: Schön. Hast du denn, wie viele das ja machen, Demos auf dem Handy? Also, dass du dir auch mal unterwegs dein Handy hinlegst, dann schnell was einsingst?

B: Ja, genau.

K: Hast du welche dabei, die du uns vorspielen würdest?

B: Ne, kann ich nicht vorspielen.

K: Achso, sind die so schlimm?

B: Ja. Nicht, dass sich die Zuhörer noch übergeben müssen. Es gibt einen Song auf dem Album der heißt „Ich bereue nichts“, den habe ich an der Elbe mit 1,2 Promille an so 'nem Sonntagabend wirklich ins Handy reingerülpst. Und dann haben die mich nach Hause gefahren, weil ich gesagt habe, "ich glaube ich hab‘ gerade einen Song ins Handy reingejault". Und dann wurde ich hochgefahren in meine Butze. Da habe ich mich ans Klavier gesetzt und nach drei Minuten war der Song fertig. Und ich finde, das ist einer der besten des Albums geworden.

K: Ich finde den auch wunderschön. Ist ja auch der letzte Song vom Album.

B: Manchmal geht’s eben so schnell. Andere Songs, es gibt zum Beispiel so ganz oft so, Bastarde nenn' ich die immer, mit den fange ich immer an und an so 'nem Song arbeite ich dann ein Jahr. Und über den Song hinaus schreibe ich dann einfach drei, vier andere Nummern. Weil der B- Teil dann ganz gut war, von dem Song. Und die werden dann auch nie fertig. Ich hab den Hauptsong des Albums noch gar nicht fertig geschrieben, aber nebenbei habe ich das Album geschrieben. So ist es manchmal.

K: Also die Demo von „Alles ist jetzt“ werden wir wahrscheinlich niemals hören. Oder wollen wir vielleicht auch niemals hören.

B: Genau, also ganz, ganz viel ist jetzt, auch noch mal so zu meinen Sprachnachrichten, ganz viel muss man dann auch im privat Bereich lassen.
Ich bin ja kein Genie oder so. Alles womit ich anfange ist auch immer sehr, sehr klein und geht viel über a-Moll und G. Aber ja, ich glaube der Grund warum die Leute meine Musik hören sind am Ende auch eher die Texte und gar nicht so mein Gesang. Aber auch da versuche ich mich natürlich immer weiter zu verbessern, genauso wie im Tanz und wie eben im ganzen Rest.

K: Übrigens, das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben, ist glaube ich drei Jahre her und damals waren wir im Studio nebenan und haben mein drittes Interview oder so zusammen geführt. Das ist für mich eine große Ehre. Ich hoffe für dich jetzt auch.

B: Total! Das war dein drittes Interview?

K: Ja genau, mein Erstes war mit Bastille, das Zweite weiß ich schon gar nicht mehr, und das Dritte war mit Aki Bosse.

B: Das ist gut! Du hast das damals auch schon gut gemacht, bist besser geworden, klare Sprache, nicht mehr so aufgeregt. Mein erstes Interview war damals mit Joko Winderscheidt, als der bei MTV angefangen hat. Und da hat er mich in der Columbia Halle besucht, ich habe damals vor Mando Diao gespielt und ich war sein erster Interviewpartner und es war der Wahnsinn, weil ich war damals auch so'n kleiner Pöks und wir haben beide uns ein abgestottert. Manchmal hat man die ersten und zweiten Male miteinander. Das verbindet.

K: Ja voll. Aber irgendwann ist man tiefenentspannt. Robert De Niro: 1. Ich glaube noch nie hat jemand so schön diesen Namen gesungen, 2. Ein sehr politscher Song auf deinem Album. Du bist kein unpolitischer Mensch, das wissen wir alle, aber das erste Mal so klar in einen Text reingepackt.
Hast du dir Sorgen gemacht, dass es irgendwie komisch rüberkommt? Hast du gedacht "kann ich das machen“? Oder wie ist es zu dem Song gekommen?

B: Zu dem Song ist es gekommen, weil ich ein politischer Mensch bin, ich setze mich seit Jahren einfach für Dinge ein, starte Aktion habe eine große Instagram und Facebook Followerschaft und 'ne treue Fan-Basis, mit den ich schon Konzerte für Flüchtlinge gespielt habe, für PRO ASYL. Ich bin da beweglich und aktiv, weil es mir einfach ein Bedürfnis immer schon war einfach politisch auch zu handeln.
Dass was ich nie gemacht habe ist, das in meine Musik zu verpacken.

K: Genau.

B: Und das habe ich dann diesmal probiert. Ich habe das schon früher probiert, diesmal ist es mir aber so gelungen, dass ich den Song zumindest aufs Album packen wollte. Und das kam schon so über den immensen Kotzreiz, den ich hatte, bei dem Rechtsruck. Und der Song geht eben auch genau um diesen Moment, dieses Gefühl als man das erste Mal im Fernsehen so eine montags Pegida-Demo gesehen hat und sich gedacht hat „Krass“, wie viel Hass und wie haben sich die Grenzen so verschoben? Die verbalen Grenzen auch. Und was kann man dagegen tun, wie ist die Gegenreaktion? Die muss nämlich positiv und bunt sein. Und der Song geht schon raus an eben nicht nur meine Fans, sondern vor allem auch an die ganzen jungen Leute vor den ich dann Konzerte spiele und Festivals, weil ich eben schon finde, das ist jetzt gerade die Zeit in der eine unpolitische Jugend politisch werden muss, wenn man eben vor allem Bock hat auf Demokratie, Freiheit und ein buntes, offenes Leben und eben einfach Hass irgendwie dumm findet.

K: Hast du denn das Gefühl, dass zu viele Menschen unpolitisch sind? Also wenn du jetzt sagst, dass die Jugend politisch werden muss, also denkst du, dass deine Follower noch mehr machen könnten? Politischer werden könnten?

B: Nein, also ich finde, die Zeit im Moment, das ist ja eigentlich die tolle Gegenreaktion, finde ich ist eben einfach wirklich politisch geworden. Man merkt eben einfach schon, wenn man sich mal die „ausgehetzt“-Demos, die „wirsindmehr“-Proteste, so diese, in egal welcher Stadt gibt es ja gerade Menschenansammlungen von guten Leuten die eben einfach sagen „Stop“ wir haben keinen Bock auf Rassismus, wir haben keinen Bock auf diesen ganzen Blödsinn und wir sind eben einfach mehr und wir sind auch vielleicht lauter. Dann ist das eben einfach die perfekte Gegenreaktion und ich finde schon, dass die Jugend, also die meisten Jugendlichen die ich kennenlerne, sind 100-mal politischer als ich es damals in den späten 90ern war.
Ich war das zwar immer, aber ich musste es eigentlich nicht, weil man hatte so das Gefühl, eigentlich ist doch alles in Ordnung.

K: Es entwickelte sich gut, die Grünen kriegten Aufschwung und so.

B: Genau und nee, also ich finde nicht, dass die das Jugend zu unpolitisch ist. Ich finde es hat sich geändert eben. Also ich finde, es ist von so einem komischen Bild was man ja hat, wenn man so bisschen älter ist, von so einer „instagram-wir-gehen-alle-gerne-ins-Fitnesscenter-und-zeigen-unser-perfektes-Leben-und-sind-so-da“ hat sich irgendwie gedreht. Also ganz, ganz häufig und ich sprech' natürlich auch mit ganz vielen Leuten, ich hab' noch nie jemand kennengelernt in meinem Alter damals der mit 17 gesagt hat „du weißt du was, ich glaube ich geh in die Politik“ und ich treffe in letzter Zeit sehr viele junge Leute, die das sagen.

K: Wie siehst du das bei anderen Musikern? Also es gibt ja Musiker die ganz klar sagen „ich bin unpolitisch, ich mach meine Musik und äußere mich auch gar nicht politisch“. Findest du das blöd, also kritisierst du das?

B: Ne, blöd finde ich erstmal gar nichts. Ich finde, das ist jedem selber überlassen. Weiß ich nicht, ich habe das aber schon sehr gefeiert als Helene Fischer eben einfach mal ein Statement gesetzt hat auf Facebook. Das war eben kurz nach Chemnitz, nach diesem Konzert.
Daran sieht man ja dann, wenn da unter in den Kommentaren plötzlich kommuniziert wird und auch diskutiert wird, was eben solche Leute mit so „Mainstream-Bums“, also ich mein' das sind ja Menschen die dann einfach in Stadien spielen vor allen Menschen die es gibt. Jede Couleur. Einfach auch so toll. Das macht ja Musik. Musik und Sport sind ja so offene Dinge, die jeder, egal was er gelernt hat, wo er herkommt, welche Hautfarbe er hat.
Wo man Sachen zusammen erlebt und dasselbe fühlt, das selbe Tor treffen will und da finde ich eben schon das Kultur gerade eben ein wahnsinns Träger ist. Deswegen bringt es natürlich ne Menge, wenn Helene sowas sagt. Und ja, da gibt es ganz, ganz viele andere. Aber wie man sich dann so entscheidet, da will ich niemandem so reinreden.
Ich kann durchaus verstehen, wenn man jetzt ein deutscher Schmusesänger ist, der einfach sein Leben lang unpolitisch war und man immer nur Musik gemacht hat, weil man eben gern schmuse-songs macht, da ist jetzt der Schritt dahin, sich politisch zu äußern ganz schön viel konfliktpotential auch dann mit sich bringt, weil es natürlich viele Leute sein werden, also Hörer dabei sein werden, die das scheiße finden was man dann schreibt. Und davor hat man dann Angst. und dann kann ich das irgendwie auch nachvollziehen. So rein menschlich, dass mal davor Angst hat.

K: Auf deiner Tour, kommen wir mal dazu, bist du ja auch dann in Chemnitz, glaubst du, dass das Konzert irgendwie anders wird, als die anderen Konzerte in Deutschland?

B: Ne überhaupt nicht! Ne, ich hab' schon so oft in Chemnitz gespielt und ich war jetzt auch in Chemnitz bei dem Konzert nach der, die große Demo eben. Was ich eben toll fand, weil da wurde einfach so viel Geld eingenommen eben für die, für Familie des Opfers und es war trotzdem einfach ein total buntes Zeichen. Es waren auch nicht nur junge Leute da, hatte das Gefühl, dass so dreiviertel Chemnitz da auch eben mit standen und immer, wenn ich in Chemnitz spiele, dann spiele ich da sehr gern wie andere total alte tolle Fan-Basis die immer da sind, sehr studentisch und ja da wird es sicherlich politische Diskussion geben und auch darüber gesprochen werden. Aber ansonsten wird das erstmal 'n ganz normales pfeffriges Konzert mit ordentlich Bums.

K: Sehr schön. Wie kommst du denn, gehen wir mal weg vom politischen ausnahmsweise Mal, wie kommst du runter bevor das Konzert losgeht?

B: Schlafen.

K: Du schläfst?

B: Ich schlafe immer, ja.

K: Das haben die Fantas mal, habe ich mal gesehen, die machen das ja auch oft. Die legen sich vorm Konzert noch mal hin.

B: Weil die alt sind, alter! Ich bin noch nicht so alt. Ich lege mich hin, weil ich bin ganz oft, also ich bin super sportlich auf Tour. Also allgemein und ich, das eben schon so also, der Morgen dann z.B. jetzt daneben Chemnitz dann habe ich ja davor schon Cottbus gespielt. Das heißt da habe ich dann schon zweieinhalb Stunden tanzen auf dem Buckel. Dann stehe ich morgens auf und dann gehe ich aber erst noch mal 8 bis 10 km joggen.

K: Oh!

B: Dann habe ich Interviews und dann irgendwann merkt der Körper nach dem Mittagessen „freust dich schon auf 18.30 Uhr und noch mal Stunde hin legen“ und das mache ich dann auch da bin ich irgendwie fokussierter und habe dann so den Tag wieder vergessen. Und hab das Gefühl ich steh auf Putz die Zähne machen bisschen Parfüm drauf, das Bühnenparfüm und dann kann ich da so frei auf Singen.

K: Du hast gerad schon erzählt, du hast jetzt Hummeln im Hintern. Endlich wieder auf Tour gehen, endlich wieder Konzerte spielen, wieder Musik machen, was du ja eigentlich immer nur machen wolltest. Du bist ja generell bisschen, ich mache jetzt Anführungsstriche, älter geworden und du hast eine Familie gegründet und so, wie heiß bist du jetzt Konzerte zu spielen um wie schnell kommt dann die Sehnsucht nach Hause?

B: Achso, nee, ich bin richtig heiß. Weißt du wir haben in der Band so viele Kinder gezeugt ne.

K: Unter anderem, untereinander.

B: Ja. Der Gitarrist hat richtig versprüht fast und die Kinder kommen uns oft besuchen und also und auch und Frauen und Männer also es kommen viel Frauen mit auf Tour das heißt uns kommen immer Männer mit ganz viel Kindern besuchen und Frauen mit ganz vielen Kindern und ich glaube jetzt im Sommer, wenn wir dann so in weiß ich nicht, in Braunschweig spielen oder so dann hole ich echt n Bälle Bad. Das würde sich mittlerweile echt lohnen. Das man das ganze Kinderparadies direkt mitnimmt.

K: Da hast du das Zuhause immer mit dabei quasi. Wie eine Schnecke.

B: Heißt: ich vermisse die nicht, weil die öfter vorbeikommen und ansonsten liebe ich eben auf Tour sein. Das ist der Grund, warum ich das machen.

K: Wie ist es denn in Braunschweig dann zu spielen, machst du dann Abstecher nach Hause und schläfst bei deinen Eltern oder wie läuft das dann?

B: Ich weiß gar nicht, wir spielen vorher und nachher so Bochum und Dresden. Also auch noch zu zwei dicke Dinger und ich glaube ich komme dann aus Bochum mit dem Nightliner an. Aber wenn wir hier in Hannover spielen zum Beispiel, da weiß ich, da schlaf ich vorher bei meinen Eltern. Da fahr ich dann schön mit meinem Vater rüber zum Soundcheck.

K: Und die kommen dann auch noch mit zum Konzert.

B: Ach sicherlich, na klar.

K: Ist das aufregend? Also bist du aufgeregter, wenn die Eltern mit dabei sind?

B: Nee

K: Kein Problem?

B: Ne, die waren jetzt schon so oft da. Also das, früher als ich mit meiner Schulband gespielt hab und die da waren, da war ich noch'n bisschen aufgeregt.

K: Da war die Musik aber auch noch nicht so gut wahrscheinlich.

B: Ach, vielleicht sogar besser. Man weiß es nicht.

K: Hast du schon mal wieder ein Eintracht Braunschweig Spiel besucht nach dem Abstieg?

B: Ich habe die ersten beiden Spiele zu Hause gesehen und ein Auswärtsspiel und jetzt sind sie ja letzter in der dritten Liga also aktuell, ich kann es nicht sagen, naja also ich finde, kannste schneiden, ich find auf jeden Fall toll, wies bergauf geht.

K: Das ist eine sehr gute, politische Antwort. Also, Album ist draußen. Tour ist am Laufen. Was bleibt dann zu Hause liegen? Also was, ich sag mal, deine berufliche 'To-Do List', da kannste viele Haken hinter machen. Was muss zu Hause noch gemacht werden? Was bleibt jetzt liegen, wenn Bosse nicht zu Hause ist?

B: Also es bleibt gar nicht so viel liegen. Da bin ich mittlerweile so Profi. Also ich kann so jegliche Zettel und alles das, so alle unbezahlten Rechnungen, die ganzen Steuern und so, das knall ich vorher alles weg. Genau. Und ansonsten ist da gar nichts. Also ich versuche mein Zuhause dann so zu verlassen oder meine Zimmer so und auch mein Arbeitszimmer, dass ich mich freue, wenn ich wiederkomme, dass ich nicht ganz, ganz viel zu tun habe.
Weil nach so 'ner Tour ist dann schon so, da habe ich einfach nur Bock auf Sofa und auf irgendwas Überbackenes.
Ich muss dann auch erst mal 3-4 Tage liegen weil der Körper einfach nicht mehr kann eine und ne da bleibt nichts so ich muss dann ab und zu mal anrufen, so das Kind noch mal anchatten so wegen der Blumen, dass die gegossen werden, das ist mir wichtig. Und ansonsten müssen sie leider jetzt selber Wasser holen vom Getränkemarkt. So ist es.

K: Du bist ja auch jemand der viel Zeit und Garten verbringt, Gemüse anbauen und so weiter hast du deinen Garten schon winterfest gemacht jetzt?

B: Ja der ist einigermaßen winterfest. Mein Wandelröschen ist abgeholt wurden, also da habe ich, die ganze Armada kommt dann, echt ein LKW von ner anliegenden Gärtnerei. Und dann müssen die richtig schleppen. Genau. Und das ist weg. Was hab ich noch? Ne ich bin fertig. Danke. Danke der Nachfrage.

K: Aber du lässt dann schon noch so ein Haufen für die Igel? Also ist das alles so naturbelassen? Oder bist du jemand, der mit der Schere schneidet?

B: Bei mir ist alles betoniert. Ne ne, ich hab einen ziemlich großen Naturgarten. Das Einzige was bei mir noch fehlt, ich hab' auch Igel, kein Witz, ich liebe die Igel, wenn die ihre Milben abhusten und eh, das bei mir echt noch fehlt, aber das kommt vielleicht nächstes Jahr, sind Papageien.

K: Papageien sind n Scherz jetzt, oder?

B: Ne, also das ist wirklich so. Bei mir der Garten ist so voll gebummst. Kein Witz. Ist wie ein Dschungel. Und wenn jetzt noch ein Papageien-Pärchen kommt, dann bin ich happy.

K: Die kann man kann man auch draußen halten oder also zumindest in den Sommermonaten? Ich bin letztens in Ostfriesland Fahrrad gefahren und bin in einem Garten vorbei gekommen die hatten Schafe, Ziegen und die hatten auch so ein riesen großen Käfig mit Papageien.

B: Ja ne, sowas will ich nicht keine Käfige. In Worms z.B. gibt's so ein Park da leben Papageien keine Ahnung warum. Die haben sich Da irgendwie weiterverbreitet

K: Im Stadtpark oder wie?

B: Ja, die haben sich da vermehrt. Genau.

K: Und dann fängst du einen ein und nimmst ihn mit nach Hause.

B: Ne, die dürfen, sind eingeladen. Ich würde niemanden jetzt einsperren wollen.

K: Wie sieht dein perfektes Wochenende aus? Du hast gerad schon gesagt aufs Sofa fläzen, wenn du nach Hause kommst. Was Überbackenes. Was kommt noch dazu?

B: Achso ja, das perfekte Wochenende ist schon so eine Mischung aus Kommunikation und sozial sein also Freunde treffen und Hamburg ist schon eine ganz gute Stadt, um Zeit zu verbringen einfach so entspannt. Also man kann eben kulturell total viel machen kann sehr gut essen wir haben eben die Elbe und irgend so eine Mischung aus alldem würde ich machen. Aber letztendlich immer irgendwas mit Familie. Family and friends.

K: Kung-Fu deiner Tochter, gehst du öfter hin und holst deine Tochter ab, ist auch mit auf dem Album drauf, gibt’s da Momente wo du denkst, "jetzt wird zu privat und das schreibe ich jetzt nicht mehr rein".

B: Weiß ja keiner, ob sie wirklich Kung-Fu macht.

K: Ok, verstehe.

B: Das habe ich mittlerweile gelernt. Alle Sachen, die ich auf dem Album über Familie singe, das ist nicht meine Familie. So ne, aber trotzdem sind's natürlich Themen über die ich gerne schreib'. Und ich hab' bei mir immer das Gefühl, dass die Leute mich halt nur so angucken und dann sehen die dann schon auch, wenn die die Text lesen, dass es alles dann doch unlogisch ist, wenn das alles bei einer Person ist. Wenn es alles bei einer Person wäre und dass die mir manchmal gar nicht, also keine Ahnung ob meine Tochter Kung Fu macht. Ich singe es da, aber keine Ahnung. Vielleicht tanzt sie auch Ballett oder geht Boxen oder macht Krav Maga. Dass was Menschen glaub' ich machen, die hören einen Song und dann sehen die ganz selten den Typen oder Mädchen, das den singt, sondern man sieht ja eher sich. Und seine Bilder. Na, dass was man so hat.

K: Sind dann aber auch Geschichten, die dann aus der großen Band Familie kommen, irgendwo.

B: Aus meiner Band Familie?

K: Ja aus dieser große. Die ganzen Kinder. Irgendein Kind von diesen ganzen Kindern die mit auf Tour gehen macht doch bestimmt Kung-Fu.

B: Ach könnte sein, bei den vielen Kindern, da könnten auch zwei Kung-Fu machen. Aber ansonsten sind es natürlich, ich hab damit mal angefangen weil ich natürlich auch schon gerne über mich singe und da gibt es sicherlich total ehrliche Momente, wie „Ich bereue nichts“ der einfach, dann ganz ehrliches Lied und dann gibt es sicherlich auch Möglichkeiten, sonst wäre es richtig langweilig, in der ich einfach das Schriftsteller mäßig auch weiter arbeite und das ist dann so in einem Song wie „Hallo Hometown“ oder so, da geht es nicht nur um eine mein altes Braunschweig sondern da vermische ich ja eine Million Bilder mit weiß ich nicht, wie fühle ich mich denn wenn ich in Istanbul in die Straße gehe wo ich ein Jahr gewohnt habe. Wie fühle ich mich denn, wenn ich durch Berlin renne und da ist plötzlich eine Ecke an der ich, ich wie weiß nicht, das und das erlebt habe. und dann geht’s ja auch ums nach Hause kommen. ich bin schon so oft nach Hause gekommen, weil ich so oft umgezogen bin, das ist immer so eine Vermischung aus all dem was ich so in mir trag. genauso auch die Geschichten, keine Ahnung. Ich klau' so viele Geschichten aus meinem Freundeskreis, weil der ist ziemlich Illustre, oder so ne. Genau und so, so schreibe ich. Immer irgendwas von mir und immer irgendwas von anderen. Und am Ende entsteht daraus irgendwas.

K: Also die „Hometown“ ist eigentlich nur eine Erinnerung an all die Plätze, an eine Stadt.

B: Ganz klar. Das ist ein Liebeslied, ne. Eigentlich komme ich ja nach Hause mit nem dicken Koffer voller Dreckwäsche. Und freu mich drauf, dass da jemand ist. Mehr ist es ja gar nicht

K: So wird’s wahrscheinlich sein wenn deine Tour beendet ist. Aktuell gehst du aber noch auf Tour. Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei.

B: Danke!

K: Ich finde das Album großartig. Vor allen Dingen ist das ein schönes Fortführen. „Engtanz“ „Alles ist jetzt“ aber auch schon „Kamikazeherz“ ist ein rundes Ding. Ich finds lustig, wenn man den Wikipedia-Artikel sich anguckt, sieht das so aus wie bei der Börse. Es geht stetig erfolgreich weiter nach oben. Also dein Kurs läuft aufwärts.

B: Ja ist alles gut, die Hütten werden immer voller. Und auch immer größer und ich bin eben mega dankbar, weil so das einzige was ich immer so denk ist „ich habe jetzt gerade keinen Bock, dass es aufhört“ und so das größte Kompliment das mir meine Fans jetzt gerad gemacht haben ist so „Alter, das ist dein siebtes Album und es hört sich aber an als wär's dein Zweites, weil man merkt, dass du Bock hast". Und das ist eben die Wahrheit. Also man muss glaub' ich Bock haben. Und das haben wir so auch als Band live. Und wenn das irgendwann aufhört, dann muss man auch sofort aufhören.

K: Dann hörst du auch auf. Aber noch nicht jetzt, ne?

B: Nee, nee. Eins mach ich noch.

K: Ach, sehr schön. Danke Bosse!

B: Ciao.