Wie Digitalen Nachlass regeln?

Wenn jemand verstirbt, geht sein Nachlass an die Erben über. So ist das normalerweise in Deutschland geregelt.

Doch was passiert mit den "digitalen Gütern" z. B. den Profilen bei facebook und Twitter oder mit den Email-Postfächern und Logins bei Fotodiensten, wenn man verstirbt?
Der sogenannte digitale Nachlass muss ja auch irgendwie erhalten oder gelöscht werden.

Wem die Daten und Passwörter der Verstorbenen gehören, wurde gerade vor dem Berliner Kammergericht verhandelt. Dort haben die Eltern eines 2012 verstorbenen Mädchens auf Herausgabe des Logins geklagt. Die damals 15-Jährige war von einer U-Bahn überfahren worden und die Eltern möchten anhand der Einträge auf Facebook herausfinden, ob es ein Suizid war oder nicht.

Bereits 2015 hatte das Berliner Landgericht zugunsten der Eltern geurteilt. Erbrecht schließe nicht nur Analoges wie Tagebücher, Briefe und Fotos ein, sondern auch den digitalen Nachlass.

Im 2. Prozess sah es das Kammergericht am 21. Mai 2017 allerdings anders: das Fernmeldegeheimnis der Personen, mit denen die Tochter kommuniziert hat, wiegt schwerer als das Erbrecht und das Persönlichkeitsrecht der Mutter.


Wir haben euch hier ein paar Infos zu dem Thema, über das man sich ja nicht so gern Gedanken macht, zusammengestellt.

Wem gehören die Logins und Inhalte?
Liegt eine Sterbeurkunde und ein Erbschein vor, gehört der Account mit allen Zugangsdaten und Inhalten in Deutschland rechtlich den Erben. Sie können entscheiden, ob der Account beibehalten wird oder nur einzelne Inhalte oder Alles komplett gelöscht wird.
Virtuelle Adressbücher, online gespeicherte E-Mails, Bilder und Profile gehören ebenfalls den Erben. Auch Rechte an privaten Webseiten gehen auf sie über. Erben können dann bei den Anbietern neue Passwörter anfordern, um mit den Accounts „wie ein Eigentümer“ umgehen zu können.

Wie man aber an dem Verhalten von Facebook sieht, wird dieses deutsche Recht aber nicht von allen multinationalen Konzernen anerkannt. Facebook geht davon aus, das für sie irisches Recht angewendet werden muss und nicht das deutsche.


Wie geht man als Erbe am besten vor?
Es gibt bei Facebook die Möglichkeit einen Nachlasskontakt anzugeben. Dieser bekommt die Zugangsdaten, wenn per Formular nachgewiesen wurde, dass ihr verstorben seid.

Das Profil bei Facebook (aber auch Instagram) kann dann erst einmal in eine Erinnerungsseite verwandelt werden. Dort werden dann von Facebook verschiedene private Daten gelöscht und nur bereits bestätigte FreundInnen können das Profil sehen und finden. Die Pinnwand bleibt, damit Freundinnen, Freunde und Verwandte Beiträge als Erinnerung hinterlassen können, es wird quasi ein Kondolenzbuch.

Auf Wunsch verbirgt Facebook nach dem Tod das Profil für alle User, wenn ihr das so in dem Profil festgelegt habt.

Google hat einen sogenannten Kontoinaktivität-Manager eingerichtet. Dort könnt ihr für Gmail, You Tube und andere Google Dienste einstellen, ob die Daten nach drei, sechs, neun oder zwölf Monaten Inaktivität automatisch gelöscht werden sollen. Ihr könnt aber auch bestimmen, dass Google dann automatisch eine SMS mit den Login-Daten an euch oder eine andere Person schickt.

Twitter bietet auch ein eigenes Formular an, um einen Account eines Verstorbenen zu übernehmen. Hier ein kleiner Auszug aus den Hilfeseiten: “Wenn ein Twitter-Nutzer verstirbt, kann entweder eine Person, die entsprechend den Nachlassbestimmungen bevollmächtigt ist, oder ein nachweislich unmittelbares Familienmitglied mit uns Kontakt aufnehmen, um den Account zu deaktivieren.”

Bei Snapchat, WhatsApp, musical.ly, Pinterest und Co. findet man in den AGB leider keinerlei Informationen zur digitalen Nachlassregelung. Falls die Verstorbenen allerdings eingeloggt waren, können die Accounts natürlich einfach so gelöscht bzw. die Daten gesichert werden.

Bei deutschen Firmen ist auch eine komplette Löschung möglich. Dazu muss sich der Hinterbliebene z. B. bei WEB.DE oder GMX mit dem Erbschein als Erbberechtigter ausweisen und den Zugriff auf das Postfach des verstorbenen Nutzers mit einem handschriftlich unterschriebenen Schriftstück beantragen. Dann wird der Zugang zum Postfach des Verstorbenen gewährt, auch wenn das Passwort nicht vorliegt.
Der Erbberechtigte muss ein neues Passwort setzen und kann den Account dann weiterführen oder löschen.
Will der Erbe einen kostenpflichtigen Vertrag bei einem E-Mail Dienst kündigen, ohne Zugriff darauf zu erhalten, ist nur die Sterbeurkunde erforderlich.

Xing schaltet das Profil auf unsichtbar, sobald ein Mitglied als verstorben gemeldet wird. Um sicher zu gehen, das das Mitglied tatsächlich verstorben ist, wird eine Mail an ihn geschickt. Meldet sich der User innerhalb von drei Monaten nicht zurück, löscht Xing das Profil komplett und endgültig. Angehörige können das Profil dort aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht übernehmen.


Sollte man die Passwörter irgendwo hinterlegen?
Es gibt bereits Webseiten, bei denen man seine Passwörter speichern lassen kann bzw. hinterlegen, was mit den Accounts nach dem Tod passieren soll, wie z.B. www.digitaler-nachlass.com oder www.semno.de.

Um festzustellen, ob der Besitzer des virtuellen Schließfachs tatsächlich gestorben ist, nutzen sie ein mehrstufiges System: Wenn jemand den Tod eines Nutzers meldet, versucht der Dienst zunächst Kontakt mit dem Gemeldeten aufzunehmen. Bleibt dies mehrere Male erfolglos, müssen vorher vom Besitzer bestimmte Angehörige den Tod bestätigen und schließlich eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde vorlegen. Diese Dienste sind aber meist ziemlich teuer und wenden sich eher an professionelle Nachlassverwalter.

Am einfachsten für die Erben wird es jedoch, wenn im Testament auch Logins und Passwörter aufgeführt wurden und dort genau festgelegt wird, was mit den Profilen nach dem Tod geschehen soll.


Was passiert mit Handy- und Festnetznummern nach dem Tod?
Die Festnetz- bzw. Handynummern werden allgemein nach 180 Tagen neu vergeben. Nur für Familienangehörige ist es möglich, den Anschluss zu übernehmen.
Eine Weitergabe der Nummer an andere z. B. Freunde ist nicht möglich.


Gedenken im Internet
Auch das Erstellen und Gestalten von Gedenkseiten im Netz ist verbreitet, dabei solltet ihr aber die Wünsche der Verstorbenen respektieren. Hier ein paar Seiten, die man dafür nutzen könnte: www.kat-gedenkseiten.de, www.tributes.com, www.gedenk-portal.de oder www.trauer.de.