Roaming in der EU abgeschafft?!

Der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger hatte es vollmundig versprochen und ihr lest und hört es in den letzten Tagen überall: das Roaming wird ab dem 15. Juni in der EU abgeschafft.

Aber ist es ab dann wirklich so, dass ihr mit eurem normalen Handyvertrag aus dem Ausland eure Eltern zu deutschen Tarifen anrufen könnt und ohne Zusatzkosten am Strand liegend You Tube Videos schauen bis zum Abwinken?

Wir haben uns das mal genauer angesehen.

Schaut euch das Kleingedruckte eures Vertrages an!
Die großen Anbieter wie die Telekom, O2 und Vodafone haben angekündigt, ihre Verträge zum Stichtag umzustellen, sodass ihr keine Roaminggebühren mehr bezahlen müsst.

Aber Achtung: kostengünstige Anbieter, die Schnäppchen-Flatrates verkaufen, haben schon jetzt meist die Nutzung ihrer Tarife im Ausland komplett ausgeschlossen. Dann profitiert ihr natürlich nicht von den neuen Roaming-Regelungen, sondern müsst dann weiterhin deren teure Auslands-Zusatz-Flatrates dazubuchen.


Spielen, Filme anschauen und Surfen auch ohne zusätzliche Gebühren?
Hier gelten weiterhin die Obergrenzen eures Vertrages. Falls diese Grenze überschritten wird, darf dies je Gigabyte derzeit im Ausland höchstens 7,70 Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Bis 2020 soll der Preis dann schrittweise auf 2,50 Euro absinken.

Am besten ihr deaktiviert mobiles Datenroaming auf Reisen generell, dann seid ihr auf der sicheren Seite.

Zusätzlich solltet ihr euch anschauen, ob eure Verträge vielleicht einen festen Maximalverbrauch des Datenvolumens im Ausland beinhalten. Dann ist es zwar toll, dass kein Roaming mehr anfällt, aber ein gedrosselter Datentarif macht dann auch keinen Spaß.


Für welche Länder innerhalb der EU gelten die neuen Regeln nicht?
Die Schweiz (Achtung bei Reisen von Deutschland nach Italien!), die Isle of Man, die britischen Kanalinseln, San Marino, Andorra und Monaco sind nicht dabei.


Anrufe aus Deutschland ins EU-Ausland:
Es gilt auch nach dem 15.6.2017 NICHT euer Heimat-Tarif, sondern es gibt weiterhin je nach Anbieter unterschiedliche Aufschläge.


Anrufe aus einem EU-Land nach Deutschland
Hier greifen die neuen Regelungen: wenn ihr mit eurer deutschen SIM-Karte kurzzeitig (im Urlaub) aus dem EU-Ausland ins deutsche oder ausländische Fest- oder Mobilfunknetz telefoniert, zahlt ihr nur die normalen Tarif als würdet ihr innerhalb Deutschlands telefonieren oder könnt eure Flatrates nutzen.


Telefonieren auf einem Kreuzfahrtschiff
Auch hier zahlt ihr weiterhin teure Roaminggebühren auch wenn ihr euch z. B. innerhalb der EU im Mittelmeer aufhaltet. Auf Schiffen wird nicht über normale Sendemasten oder -antennen telefoniert, sondern meist teuer über Sattelit. Die Kosten werden auch mit der neuen Regelung an euch weiterberechnet.


Einfach eine günstige SIM-Karte im Ausland kaufen und in der EU billig telefonieren?
Es soll auf keinen Fall einen Handel mit Prepaid-Karten innerhalb der EU geben. D. h. einfach eine günstige Karte z. B. in Estland zu kaufen und damit innerhalb der EU ohne Roaminggebühren zu telefonieren, wird ausdrücklich verboten.

Um das zu verhindern, können laut der neuen Regelung Mobilfunkanbieter von ihren Kunden verlangen, sich alle 30 Tage mit ihrem Heimatnetz zu verbinden. Außerdem ist die Nutzung nur für bis zu 90 Tage pro Jahr erlaubt.
Für die normale Urlaubszeit ist das aber natürlich nach wie vor eine Option... ;-)

Pendler in Grenzgebieten sind von den Tage-Regeln nicht betroffen. Ihnen werden keine Roaminggebühren berechnet, solange sie sich am gleichen Tag wieder in ihr Heimatnetz einbuchen.