Diese Programme nutzen eure Kinder!

Fotos und Intimes auf Facebook, per Snapchat oder YouNow zu teilen, ist für Jugendliche das Normalste auf der Welt. Dabei denken sie oft gar nicht darüber nach, wie viel sie dabei über sich und ihre Freunde preisgeben.

Damit ihr liebe Eltern einen kleinen Einblick bekommt, wo sich eure Kinder tummeln, und wie die einzelnen Programme funktionieren, zeigen wir euch hier an den gängigen Apps und Messengern, was gerade aktuell ist und was man damit anstellen kann.

Allerdings solltet ihr nach dem Durchlesen nicht mit Angst oder Verboten reagieren. Die sozialen Netzwerke sind nicht gefährlich, wenn man ein paar Grundregeln beachtet.
Zeigt Interesse für das, was eure Kinder machen und lasst euch zeigen, was sie posten. Dann habt ihr auch die Möglichlkeit, vorher Tipps zu geben.


YouNow
Das Streaming-Portal möchte Nutzern die Möglichkeit geben, sich der ganzen Welt über Videostreaming zu zeigen. Das funktioniert ganz leicht über die Handykamera und die App oder per Webcam am PC. Während gefilmt wird, können Zuschauer über einen Live-Chat kommunizieren und das Gesehene bewerten. Eine Nutzung ist ab 13 Jahren erlaubt. Die Anmeldung auf YouNow erfolgt über einen Facebook, Google+ oder Twitter Account.

Die Gefahren

  • Das Ziel vieler Jugendlicher Nutzer ist es, bekannt zu werden, wie ihre großen Youtube-Vorbilder. Deshalb zeigen sie sich oft sehr freizügig.
  • Die Anonymität macht es Pädophilen leicht, sich die Streams unerkannt und ohne Anmeldung anzuschauen

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Die Preisgabe vertraulicher Daten und Infos kann schlimme Folgen haben. Somit sollten sie keine privaten und intimen Details über sich und andere preisgeben.
  • Sie sollten wie "im echten Leben" nicht auf Verabredungswünsche von Unbekannten reagieren.
  • Sich selbst nicht zum Opfer machen. Das heißt Ausziehen vor der Kamera oder auch schlafen vor der Webcam sollte TABU sein

Snapchat
Der kostenlose Instant-Messanging-Dienst wird auf Smartphones und Tablets genutzt. Die App ermöglicht Nutzern, Fotos oder Videos an Freunde zu versenden, die jeweils nur bis zu 10 Sekunden sichtbar sind und dann verschwinden.
Es gibt aber auch für jeden Nutzer den öffentlichen Bereich "Geschichten", in dem man Inhalte veröffentlichen kann, die dann jeder für 24 Stunden ansehen kann. Der Anreiz diesen Dienst zu nutzen liegt für viele Jugendliche nicht nur darin, dass sie sich mit ihren Freunden privat austauschen können und die Fotos und Videos nicht gespeichert werden, sie können auch die "Geschichten" ihrer Lieblingsstars verfolgen.

Die Gefahren

  • Nicht mehr sichtbar ist nicht gleich gelöscht. Zwar bietet die App selbst keine Möglichkeit, angesehene Dateien anderer zu sichern, doch dafür gibt es bereits Apps von Drittanbietern. Außerdem kann man natürlich ganz einfach die Screenshot-Tastenkombination des Smartphones verwenden. Zwar wird dann der Ersteller des Posts darüber informiert, der Screenshot kann aber trotzdem gespeichert werden.
  • Bei Snapchat haben sich in den vergangen Jahren einige Sicherheitslücken gezeigt. So tauchte im Oktober 2014 ein Archiv mit circa 200.000 privaten Bildern im Netz auf. Snapchat bestreitet, daran Schuld zu haben und schiebt den Fehler auf eine Drittanbieter-App.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Erklärt euren Kindern, dass sie vor dem Absenden von Bildern und Videos zwei Mal überlegen sollen, ob sie das auch wirklich weitergeben wollen. Sie müssen auch entscheiden, wer ihren Inhalt überhaupt sehen darf.
  • Schützen kann man sich mit technischen Hilfsmitteln nicht vor einer Weitergabe der Inhalte. Der einzige Schutz besteht darin, keine bloßstellenden Fotos von sich hochzuladen und zu verschicken

Facebook-Messenger
Mit dem Smartphone über die normale Facebook-App Nachrichten zu verschicken, funktioniert schon seit 2014 nicht mehr. Facebook bietet dafür der Facebook Messenger an.

Die Gefahren

  • Die Standardeinstellung verrät den Standort des Absenders
  • Mit den Nutzungsbedingungen gibt man unter anderem das Einverständnis, das Handytelefonbuch, den Kalender, die Browser-Lesezeichen und den Browserverlauf für die App freizugeben.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Deaktiviert die Standortangabe: Android-User müssen hierzu in den Einstellungen das Häkchen bei „Aufenthaltsort“ entfernen. Der Standort kann dann nur noch angezeigt werden, wenn man beim Verfassen einer Nachricht das Windrosensymbol rechts im Eingabefenster antippt. Es leuchtet dann blau auf.
    Nutzer von iOS-Geräten können bei den Datenschutzeinstellungen im Menü beim Punkt „Ortungsdienste“ die Einstellung des Messengers auf „Nie“ setzen.

Whatsapp
Whatsapp ist die Messenger-App schlechthin. Damit kann man mit den Kontakten schreiben, ihnen Sprachnachrichten senden, Videos und Bilder teilen und inzwischen sogar telefonieren. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Gruppen mit bis zu 50 Mitgliedern zu bilden. Man kann allerdings auch verfolgen, ob Nachrichten angekommen sind und wann sie gelesen wurden.

Die Gefahren

  • Die Kommunikation wird nach Angaben von WhatsApp seit Ende 2014 verschlüsselt, die Daten werden aber nach wie vor beim Anbieter gespeichert
  • Wer sich in ein öffentliche WLAN Netz einwählt, muss damit rechnen, ausgespäht zu werden. Ein einfaches Smartphone und die Software „Whats App Sniffer“ reichen aus, damit man Nachrichten und multimediale Inhalte von jedem anderen WhatsApp Nutzer im gleichen WLAN Netz ausspionieren kann.
  • Zwar gibt es die Möglichkeit, Privatsphäre-Einstellungen zu aktivieren, sodass die Whatsapp-Kontakte nicht sehen können, ob die Nachricht gelesen wurde oder wann ihr das letzte Mal online wart, doch es gibt immer mehr Programme, die diese Einstellungen umgehen.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Sensible Daten wie Passwörter oder Pin-Nummern sollen nicht versendet werden
  • Deaktiviert den Online-Status
  • Stellt die Bekanntgabe eures Standortes aus
  • Verweigert den Zugriff über das Mikrofon, denn Sprachnachrichten lassen sich nicht mehr versenden

Instagram
Der kostenlose Online-Dienst hat den Sinn, Fotos und Kurzvideos zu teilen. Das besondere an dieser App: Nutzer können Augenblicke einfangen, sie mit Filtern versehen und sofort mit anderen Instagram-Usern auf der ganzen Welt teilen. Die Mischung aus Microblog und audiovisueller Plattform hat 300 Millionen Nutzer weltweit.

Die Gefahren

  • Durch die Voreinstellung der App habt ihr keine Kontrolle über geteilte Inhalte. So ist jeder in der Lage, hochgeladene Bilder zu kopieren und weiterzuverbreiten.
  • Instagram empfiehlt ein Mindestalter von 13 Jahren. Jedoch ist es einfach, ein anderes Geburtsdatum einzugeben.
  • Beleidigende und unangemessene Kommentare, sowie sogenannte Hass-Konten gibt es auch bei Instagram. Außerdem gibt es Communitys zum Thema „Selbstmord“ oder „Selbstverletzung“.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Ändert die Voreinstellungen der App und passt unter „Profil bearbeiten“ die Einstellungen an. So könnt ihr das Profil auf „privat“ stellen, sodass keine Fremden Zugriff auf die Inhalte haben. Außerdem solltet ihr die Ortungsfunktion deaktivieren.
  • Schützt auch andere minderjährige Kinder, indem ihr im Instagram-Hilfebereich minderjährige Nutzer meldet.
  • Unangebrachte Beiträge könnt ihr „als unangebracht“ oder „als Missbrauch“ melden.
  • Nutzt nicht euren richtigen oder anzügliche Namen.
  • Auch hier sollten sich eure Kinder darüber bewusst sein, was sie teilen und mit wem sie es teilen.

musical.ly
Mit der App musical.ly werden 15-sekündige Musikvideos aufgenommen, in denen nicht selbst gesungen wird, sondern die Lippen zum Playback eines ausgesuchten Songs bewegt werden. Auch Zitate aus Filmen und Serien können nachgesprochen werden. Der Aufbau der App ähnelt dem von Instagram. Auch hier kann man Usern folgen, Videos liken und auf sozialen Netzwerken teilen, User aus der Umgebung orten und die selbstgedrehten „Musicals“ mit Hashtags versehen.

Die Gefahren

  • Wer ein öffentliches Musical.ly-Profil hat, muss damit rechnen, dass nicht nur User der App die Videos sehen, sondern auch Menschen außerhalb der App. Das Video kann sich einfacher im Internet verbreiten und mit negativen/beleidigenden Kommentaren bewertet werden.
  • Da in den meisten Fällen urheberrechtlich geschützte Werke in den „Musicals“ verwendet werden, kann es zu juristischen Problemen kommen. Daher sollte keine Musik aus der eigenen Musik-Bibliothek verwendet werden, sondern die Songs, die in der App bereitgestellt werden. Ratsam ist es daher auch, das eigene Profil privat zu stellen, damit nur ein kleiner ausgewählter Kreis das Musical.ly sieht.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

Vereinbart Regeln, z.B. dass eure Kids sich nicht freizügig zeigen sollen. Außerdem sollten keine Musical.lys in Orten aufgenommen werden, die Rückschlüsse auf den Standort der Schule oder den Wohnort zulassen. Ratsam ist es auch den Account auf „Privat“ einzustellen.


Twitter
Die digitale Echtzeit-Anwendung zum Mikroblogging ist eine Kommunikationsplattform, auf der Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien Textnachrichten von maximal 140 Zeichen im Internet verbreiten können. Man könnte Twitter als Soziales Netzwerk oder auch öffentliches Tagebuch bezeichnen. Ziel des Mikroblogging-Dienstes ist es „jedem die Möglichkeit zu geben, seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg zu teilen“.

Die Gefahren

  • Accounts knacken ist kinderleicht. Bei der Registrierung wird nur vorausgesetzt, dass das Passwort mindestens 6 Zeichen lang sein muss und dass der User es jederzeit ändern kann. Schwache Passwörter wie „111111“ oder „123456“ akzeptiert das System.
  • Es gibt sigenannte Spam-Follower. Das sind Spam-Accounts, die darauf warten, dass ihr sie anklickt. So gelangt ihr in die Hände von Phishing-Seiten und Computerviren-Schleudern.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Legt gemeinsam ein sicheres Passwort an. Dieses sollte aus einer Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen bestehen. So umgeht ihr das Risiko, dass der Account gehackt werden kann.
  • Schützt eure Tweets und stellt bei den Privatsphäre-Einstellungen ein, dass nur Personen die Tweets sehen, die vorher von euch bestätigt werden.
  • Nur Fotos und Grafiken nutzen, für die eure Kids auch die Rechte besitzen.
  • Fotomarkierungen könnt ihr unter den Privatsphäre Einstellungen nur Nutzern erlauben, denen ihr selbst folgt oder ihr könnt die Markierung sogar komplett unterbinden.

Periscope
Im März 2015 eroberte eine neue App den weltweiten Markt. Mit Persicope können Nutzer Video-Live-Streams erzeugen. Sowie gesendet wird, werden sofort die Follower benachrichtigt, die sich in Echtzeit verbinden, kommentieren und Herzen senden können. Die Übertragung ist danach noch bis zu 24 Stunden öffentlich zugänglich. Die Anmeldung erfolgt durch einen Twitter-Account oder per Telefonnummer.

Die Gefahren

  • Echtzeit-Übertragung kann "im Eifer des Gefechts" die eigene oder fremde Privatsphäre verletzen.
  • Es kann Ärger mit der GEMA geben, wenn Musik in die Sendung eingebunden wird. Auch beim Abfilmen von Kinofilmen oder Fußballspielen werden urheberrechte verletzt.
  • Da oft auch im öffentlichen Räumen – zum Beispiel in der Schulklasse - gestreamt wird, kann es sein, dass das „Recht am eigenen Bild“ verletzt wird.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Durch die Echtzeit-Übertragung muss gut überlegt werden, was und wo ich streame. Es kann nichts mehr rausgeschnitten beziehungsweise gelöscht werden.</il>

Tinder

Die mobile Dating App, die ihren Benutzern das Kennenlernen von Menschen in der näheren Umgebung erleichtern möchte, spezialisiert sich zwar auf Frauen und Männern zwischen 18 und 35 Jahren, dennoch verfallen auch schon Jugendliche dem Trend nach dem „hot or Not“-Prinzip.

Die Anmeldung auf Tinder erfolgt mit dem Facebook-Profil. Die Benutzung ist simpel: Tinder präsentiert dem Nutzer die jeweiligen Profilbilder, den Vornamen und das Alter einer anderen Person, die zuletzt in dem spezifizierten Umkreis vom Benutzer sich aufgehalten hat. Mit dem Blick auf das Foto entscheidet der Benutzer ob er Kontakt mit der Person aufnehmen möchte oder nicht. Falls nicht, schiebt man das Foto nach links und falls doch, dann nach rechts. Wenn beide Benutzer sich dann gegenseitig als interessant einstufen, werden sie in Kenntnis gesetzt und können ein Gespräch starten.

Die Gefahren

  • Seit April 2015 zwingt Tinder die Nutzer dazu, auch persönliche Informationen über politische und religiöse Einstellungen sowie die aktuellen und ehemaligen Arbeitgeber über Facebook freizugeben. Diese Regelung schränkt die Privatsphäre ein.
  • Durch ein Trilaterationsverfahren war 2013 der Aufenthaltsort jedes beliebiegen Tinder-Nutzers auf 30 Meter genau zu bestimmen. Nachdem Tinder darauf hingewiesen wurde, versuchte das Unternehmen zwar die Sicherheitslücke zu umgehen, dennoch funktioniert das Tracking auf circa 1,6 Kilometern Entfernung. Die Sicherheitslücke ist problematisch und könnte von Stalkern missbraucht werden.

Das solltet ihr euren Kindern dazu sagen:

  • Die Preisgabe vertraulicher Daten und Infos kann schlimme Folgen haben. Somit sollten sie keine privaten und intimen Details über sich und andere preisgeben.
  • Sie sollten wie "im echten Leben" nicht auf Verabredungswünsche von Unbekannten reagieren.
  • Erklärt euren Kindern, dass sie vor dem Absenden von Bildern und Videos zwei Mal überlegen sollen, ob sie das auch wirklich weitergeben wollen.

Wie ihr die ganz Kleinen im Netz schützen könnt und welche Apps zu empfehlen sind, haben wir euch ebenfalls zusammengefasst.