Was ist Glyphosat eigentlich genau?

Die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Gyphosat für die EU wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Am 27.11.2017 hat die EU-Kommission aber beschlossen, sie um weitere fünf Jahre zu verlängern.

Aber auch nach einer Zulassung durch die EU könnten die einzelnen EU-Staaten den Gebrauch von Glyphosat auf ihrem Territorium untersagen.

Da sich diverse Gutachten darin widersprechen, ob der Stoff für den Menschen krebserregend ist oder nicht, ist nicht nur in der EU, sondern auch in Deutschland ein Streit ausgebrochen.


Was ist Glyphosat und wofür wird es genutzt?
Glyphosat ist geruchlos und wasserlöslich und wird als Säure und als Salz hergestellt. Pflanzen nehmen Glyphosat durch ihre Blätter und andere grüne Pflanzenteile auf. Es blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, die wichtig für das Wachstum der Pflanzen sind, und tötet sie damit.

Glyphosat ist die am häufigsten angewendete Chemikalie auf Deutschlands Äckern. 40 Prozent der Flächen werden damit behandelt. Rund 5.500 Tonnen des Unkrautvernichters werden jedes Jahr versprüht (EU weit sind es ca. 825.000 Tonnen/Jahr).

In Deutschland gibt es zwei Hauptanwendungen:
Zum einen wird damit alles Grün auf Äckern abgetötet, in die ein Bauer ohne zu pflügen Getreide säen will. Zum anderen kann man mit Glyphosat kurz vor der Ernte dafür sorgen, dass alle Halme absterben und die Körner trocken und lagerfähig sind.
Es wird aber nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in privaten Vorgärten, auf städtischen Grünflächen und entlang der Bahngleise benutzt. In einigen Ländern Europas wird mit dem Pflanzenschutzmittel auch Unkraut in Gewässern bekämpft.

Von 1974 bis 2000 lag das Patent beim US-Amerikanischen Agrarkonzern Monsanto und kam am Anfang als Wirkstoff des Herbizids Roundup auf den Markt. Nach dem Auslaufen des Patentes begannen dann auch andere Unternehmen Pflanzenschutzprodukte herzustellen, in denen der Wirkstoff Glyphosat enthalten ist. Futtermittel in den USA und Brasilien werden mit Glyphosat behandelt und in die EU importiert.


Was ist das Problem mit Glyphosat?
Pflanzenschutzmittel hinterlassen offenbar Rückstände in den Pflanzen und Tieren. Glyphosat wurde bereits fast überall nachgewiesen: in Milch, Wasser, im Urin von Tieren und Menschen sowie in Getreide und damit natürlich auch in Produkten, die diese Dinge verarbeiten wie z. B. Bier. Der gesetzlichen Grenzwert für Pflanzenschutzmittel in Trinkwasser in Deutschland liegt z. B. bei 0,1 Mikrogramm/Liter, in Bier wurden Anfang 2016 vom Umweltinstitut München Werte zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter gemessen.

Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte Glyphosat in einer aktuellen Studie als wahrscheinlich krebserregend ein, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verneint das.
Letztere meint, auch die Aufsummierung durch verschiedene Lebensmittel würde den schädlichen Grenzwert im menschlichen Körper nicht erreichen. Denn der momentan empfohlene Grenzwert für Glyphosat-Aufnahme beim Menschen und Tieren liegt bei 0,3mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Anfang 2015 gab es die letzte große Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Glyphosat unter bestimmten Bedingungen krebserregend sein könnte. Als Beispiel wird das argentinischen Dorf Ituzaingó Anexo angeführt, bei dem die Krebsrate 41 Mal höher liegt als im argentinischen Durchschnitt und dass in der Nähre von Feldern liegt, die mit dem Pestizid behandelt worden sind.
Das sich diverse Studien widersprechen ist nun das Dilemma der EU-Komission, die über die neue Zulassung entscheiden muß.


Was sagen die Bauern?
25.000 Biobauern von insgesamt rund 280.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland arbeiten ohne Glyphosat und andere Unkrautvernichtungsmittel. Stattdessen setzen sie auf Fruchtfolgen und auf Ackerbaumethoden wie Pflügen und Striegeln, um Unkräuter einzudämmen.
Bei konventionellen Bauern befürchten Kritiker, dass sie (falls Glyphosat in der EU verboten werden sollte) eine Mischung aus anderen Herbiziden verwenden werden, die noch schädlicher sind. Denn mit mehr Unkraut reifen und trocknen die Nutzpflanzen weniger gleichmäßig und das führt zu Ertragseinbußen.

Infografik: Der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln steigt | Statista
Mehr Statistiken findet ihr auf Statista

Wie ist der aktuelle Stand?
Am 6. Juni 2016 hat die EU-Kommission dem zuständigen Ausschuss einen neuen Vorschlag zur Zulassung unterbreitet. Es gab allerdings keine Mehrheit für die Weiterverwendung (Deutschland hat sich enthalten), sodass der Vermittlungsausschuss angerufen wurde.
Am 30. Juni 2016 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag zur Verlängerung der bestehenden Glyphosat-Genehmigung um weitere 18 Monate bis Ende 2017 verabschiedet.