Sind Frauen die besseren Männer?

Viele Männer regen sich darüber auf, dass eine Frau Fußballspiele im TV kommentiert. Dabei geht es aber den meisten offenbar nicht darum, dass sie es fachlich nicht drauf hätte, sondern darum, dass sie eine Frau ist.

Und das im Jahr 2017...

Darauf kann man eigentlich nur mit Florian Schröder antworten:


Und wir geben euch hier einmal eine kleine Übersicht, in welchen Berufen Frauen in den letzten Jahren erstmalig tätig wurden und welche immer noch quasi "frauenfrei" sind.


Frauenanteil in Berufen:

Von "Männer- oder Frauenberufen" spricht man übrigens, wenn der Anteil des jeweiligen Geschlechts bei über 80 % liegt.

  • Sprechstundenhelferin 97,8 %
  • Zahnarzthelferin, MTA 98,9 %
  • Diätassistentin, PTA 94,5 %
  • Floristin 95,4 %
  • Friseurin 85,9 %
  • Kassiererin 86,2 %
  • Raumpflegerin 94,0 %
  • Rechtsanwaltsgehilfin 93,3 %
  • Schneiderin 95,8 %
  • Kosmetikerin 96,9 %
  • Drogistin 91,2 %
  • Buchhändlerin 81,8 %
  • Gestalterin für visuelles Marketing 90,6 %
  • Tierarzthelferin 95,5 %
  • Berufskraftfahrerin 4,0 %
  • Zimmererin 2,0 %
  • Kraftfahrzeugmechatronikerin 4,3 %
  • Anlagenmechanikerin 2,4%
  • Gerüstbauerin 0,9 %
  • Hochbaufacharbeiterin 0,6 %
  • Fliesenlegerin 2,9 %
  • Maurerin 0,7 %
  • Elektronikerin 1,8%
  • Klempnerin 1,7%
  • Dachdeckerin 1,8 %
  • Glaserin 2,9 %
  • Straßenbauerin 0,5 %
  • Baugeräteführerin 2,8 %

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2015


Sport:

Im Sport gibt es typische Berufe, in denen Frauen eher in der Unterzahl oder gar nicht vertreten sind:

Formel 1
In der Formel-1-Historie gab es bisher zwei Frauen, die an Rennen teilnahmen. 1958 fuhr die Italienerin Maria Teresa de Filippis drei Rennen und die Mailänderin Lella Lombardi fuhr sogar von 1974 bis 1976 Rennen.

Fußball
Auch beim Fußball kommen Frauen in bestimmten Berufsbereichen nicht zum Einsatz. In der 1. Bundesliga gab es bisher immer noch keine Schiedsrichterin. Zwar darf Bibiana Steinhaus, die erste deutsche Schiedsrichterin im deutschen Profifußball, in der 1. Bundesliga dabei sein, allerdings nur als „4. Offizielle“.

Das eine Frau eine Männerprofi-Mannschaft trainiert, ist heutzutage auch noch für viele fast unvorstellbar. Die Portugiesin Helena Costa wurde im Jahr 2014 von dem französischen Männer-Ligue-2-Verein „Clermont Foot“ als Trainerin für die Saison 2014/2015 verpflichtet. Costa kündigte aus „privaten Gründen“ kurze Zeit nachdem sie den Vertrag unterschrieben hatte wieder. Daraufhin verpflichtete der Fußball-Club die Assistenztrainerin der französischen Frauenfußball-Nationalmannschaft Corinne Diacre als Chefcoach. Übrigens: Die erste Trainerin im männlichen Profi-Bereich war 1999 Italiens Frauenfußball-Ikone Carolina Morace.

Einen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Frauen und Männern gibt es auch beim Einkommen. Während die männliche DFB-Elf zum Teil ein Jahreseinkommen im zweistelligen Millionen Bereich verdient, dürfen sich die Frauen des DFB mit circa 40.000 bis 60.000 Euro - im Höchstfall mal 100.000 Euro - begnügen.

Radrennen
In der Tour de France haben Frauen auch keinen Platz. Eine Tour de France der Frauen (La Grande Boucle Féminine Internationale) wurde mit Unterbrechungen von 1984 bis 2009 ausgetragen. Im Jahr 2014 wurde erstmals das Radrennen für Frauen "La Course by Le Tour de France" ausgetragen, welches im Jahr 2016 in der Serie der Radrennen des Weltradsportverbandes UCI Women’s WorldTour aufgenommen wurde.

Tennis
Die ehemalige spanische Tennisspielerin Gala León wurde zur Saison 2015 als erste Frau zur Kapitänin der spanischen Davis-Cup-Mannschaft verpflichtet. Allerdings löste ihre Verpflichtung eine Kontroverse unter den spanischen Spielern aus, sodass sie noch vor ihrem ersten Einsatz wieder entlassen wurde.

American Football
Shannon Eastin wurde als erste Schiedsrichterin in der National Football League (NFL) im Jahr 2012 für ein Spiel eingesetzt. Im April 2015 war es dann für Sarah Thomas soweit. Sie ist die erste Frau, die in Vollzeit die Spiele der Football-Profis pfeift.


Politik:

Heide Simonis war 1993 die erste Ministerpräsidentin in Deutschland. 12 Jahre regierte sie in Schleswig-Holstein.

Amtierende weibliche Ministerpräsidentinnen in Deutschland:

  • Hannelore Kraft (Nordrhein-Westfalen) seit 2010
  • Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) seit 2013
  • Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarland) seit 2011

Am 21. Juli 1960 wurde Sirimavo Bandaranaike als erste weibliche Ministerpräsidentin der Welt auf Sri Lanka vereidigt. In Europa war es Margaret Thatcher, die 1979 erste Premierministerin des Vereinigten Königreichs wurde. In Deutschland dauerte es bis 2005. Am 22. November wurde Dr. Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.

Amtierende weibliche Präsidentinnen bzw. Regierungschefinnen:

  • Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin seit 2005
  • Erna Solberg, Ministerpräsidentin Norwegen seit 2013
  • Beata Szydło, Ministerpräsidentin Polen seit 2015
  • Ellen Johnson-Sirleaf, Präsidentin Liberia seit 2006
  • Michelle Bachelet, Präsidentin Chile seit 2014
  • Dilma Rousseff, Staatspräsidentin Brasilien seit 2011 (vom Amt suspendiert seit Mai 2016)
  • Park Geun-hye, Präsidentin Südkorea seit 2013 (vom Amt suspendiert seit Dezember 2016)
  • Catherine Samba-Panza, Präsidentin Zentralafrikanische Republik seit 2014
  • Marie Louise Coleiro Preca, Präsidentin Malta seit 2014
  • Kolinda Grabar-Kitarović, Präsidentin Kroatien seit 2015
  • Ameenah Gurib, Präsidentin Mauritius seit 2015
  • Lorella Stefanelli, Co-Regentin San Marino seit 2015
  • Bidhya Devi Bhandari, Präsidentin Nepal seit 2015
  • Hilda Heine, Präsidentin Marshallinseln seit 2016
  • Tsai Ing-wen, Präsidentin Republik China seit 2016
  • Hasina Wajed, Ministerpräsidentin Bangladesch seit 2009
  • Portia Simpson Miller, Ministerpräsidentin Jamaika seit 2012
  • Saara Kuugongelwa-Amadhila, Ministerpräsidentin Namibia seit 2015

Militär:

In Deutschland durften seit 1975 approbierte Ärztinnen, Zahnärztinnen, Tierärztinnen und Apothekerinnen als Sanitätsoffiziere in der Bundeswehr eingestellt werden. 1994 erreichte Verena von Weymarn den Dienstgrad "Generalarzt" und Erika Franke 2013 den Dienstgrad eines Zwei-Sterne-Generals.
Erst nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes und einer Verfassungsänderung sind seit 2001 alle Laufbahnen der Bundeswehr uneingeschränkt auch für Frauen geöffnet.

Von den insgesamt knapp 180.000 Berufssoldaten, Zeitsoldaten und Wehrdienstleistenden in Deutschland sind knapp 19.400 Frauen. Das sind ca. 10%, die meisten davon nach wie vor im Sanitätsdienst, der Großteil als Unteroffizierinnen. (Quelle: Bundeswehr, Stand März 2016)

Eine Wehrpflicht für Frauen gibt es in Bolivien, Burma, China, Elfenbeinküste, Eritrea, Israel, Kuwait, Libyen,Malaysia, Nordkorea, Sudan, Taiwan, Tschad und Norwegen.


Polizei:

Die ersten Frauen wurden 1923 bei der Kölner Polizei eingestellt. 3 Jahre später gab es weibliche Kriminalpolizeien in Baden, Sachsen, Preußen und Hamburg. Am 17. April 1926 wurde Josephine Erkens in Hamburg zur ersten Kommissarin ernannt.
Erst in den 1970er Jahren wurden die bis dahin rein weiblichen Gruppen aufgelöst und die Frauen in den normalen Dienst aufgenommen. Im Mai 1983 wurden dann die ersten Frauen in den Bereitschaftspolizeiabteilungen vereidigt. Inzwischen sind fast 50% der neu eingestellten Polizisten Frauen, insgesamt liegt ihr Anteil ca. bei 25%.


Universitäten / Forschung:

1754 wird Dorothea Erxleben auf Befehl des preußischen Königs als erste Frau Deutschlands zur Promotion im Fach Medizin an der Universität Halle zugelassen. 1886 legen erstmals Frauen in Berlin Abiturprüfungen ab. 1900 lässt das Großherzogtum Baden Frauen als Studierende an den Universitäten Freiburg und Heidelberg zu.
2016 sind 50% aller Studienanfänger in Deutschland weiblich. Der Anteil der Professorinnen liegt allerdings nur bei ca. 11%.

Unter den 98 bisherigen deutschen Nobelpreisträgern waren 4 Frauen: Nelly Sachs (1966 Nobelpreis für Literatur), Herta Müller (2009 Nobelpreis für Literatur), Maria Goeppert-Mayer (1963 Nobelpreis für Physik) und Christiane Nüsslein-Volhard (1995 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin).
Weltweit liegt der Frauenanteil bei den Preisen bei 5,4 %.