Hilfe bei Stalking!

Oft hört und liest man davon, dass Stalker von Politikern, Schauspielern und anderen öffentlichen Personen zu hohen Haftstrafen verurteilt werden, doch leider ist Stalking kein "Promiproblem".

Allein 2011 wurden nach einer Veröffentlichung des Bundes-
kriminalamtes im Juli 2012 in Deutschland 25.038 Fälle von Stalking erfasst.

Ab wann man von Stalking spricht und an wen ihr euch als Opfer wenden könnt, erfahrt ihr hier.


Was ist Stalking genau?
Unter Stalking (engl.: to stalk: heranpirschen) versteht man "das willentliche, wiederholte Verfolgen oder Belästigen einer Person, deren physische und psychische Unversehrtheit und Sicherheit dadurch bedroht wird."
Darunter ist aber nicht Nachstellen, sondern auch Telefonterror, häufiger Schriftkontakt, Zerstören von Eigentum, Einbruch, unerwünschtes Zusenden von Geschenken etc. zu verstehen.
Man spricht allerdings erst von Stalking, wenn das Verfolgen längere Zeit anhält und nicht weniger wird.

Stalking Gesetz in Deutschland
Seit November 2006 gibt es den von Stalking-Opfern per Gesetz.
§ 238 StGB legt ganz klar fest, dass Stalking keine Privatsache ist, sondern ein Straftat.
Ergänzend hierzu wurde auch der § 112a StPO erweitert, um Täter bei Wiederholungsgefahr in Haft nehmen zu können. Allerdings ist die Formulierung "seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt" ziemlich schwamming und wird von den ermittelnden Behörden und Gerichten sehr unterschiedlich ausgelegt.


Wer sind die Stalking Opfer?
Das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), unter der Leitung von Prof. Christian Pfeiffer hat 2012 die erste gesamtdeutsche und repräsentative Befragung dazu durchgeführt. Für ffn wurde die Auswertung vorgezogen, die komplette Studie wird dann Anfang 2013 veröffentlicht.
Laut dieser Studie sind 15 - 16% der 12.000 Befragten schon einmal Opfer von Stalking geworden. Allerdings zeigt nur jede/r 6. bis 7. die Tat überhaupt an. In Deutschland gibt es ca. 27.000 Anzeigen pro Jahr, zu einer Verurteilung kam es allerdings nur in ca. 400 Fällen.
Die Opfer sind zu 61% weiblich und zu 39 % männlich (in der Altersgruppe zwischen 16 und 40 Jahre).
Die psychischen Auswirkungen des Stalkings sind sehr unterschiedlich: die meisten Betroffenen leiden aber an einem Gefühl der inneren Unruhe, Nervosität oder auch an Schreckhaftigkeit. Die ständige Bedrohung kann aber auch zu Panikattacken oder Depressionen führen.

Hier könnt ihr euch das Interview mit Prof. Christian Pfeiffer zu seiner Studie anhören:

Wie viele Opfer sind von Stalking betroffen?
Warum zeigen nur so wenige Opfer die Taten an?
Wie ist das Verhältnis Männer - Frauen unter den Opfern?
Halten Sie die Gesetzeslage für ausreichend?
Was hören viele Opfer bei der Polizei?
Warum reicht das Stalking GesetzIhrer Meinung nach nicht aus?
Was sollte man als Opfer im Moment tun?

Wer sind die Täter?
Der größte Teil der Stalker sind Ex-Partner, die zurückgewiesen worden sind und sich um jeden Preis wieder annähern wollen. Motivation kann hierbei vieles sein: Wut, Rache, aber auch das Gefühl vom Opfer regelrecht zu der Tat provoziert zu werden.
Dabei werden Verhaltensweisen des Gegenübers falsch interpretiert, oder das Opfer idealisiert. Der Täter wünscht sich unter allen Umständen eine Beziehung zu der betroffenen Person.

Prof. Dr. med. Marc Ziegenbein,Klinikdirektor der Klinik für Psychiatrie der MHH:
Was geht bei Stalkern im Kopf vor?

Was können Stalking-Opfer tun?
Natürlich gibt es kein allgemeingültiges Hilfsmittel, aber bestimmte Verhaltensregeln können helfen:

  • Macht euch immer klar: Ihr seid mit eurem Problem nicht allein! Sucht euch Hilfe bei der örtlichen Polizei, häufig gibt es dort eigene Beamte/innen für Stalking-Opfer. Darüber hinaus kann es auch hilfreich sein, sich an Stalking-Opferhilfen zu wenden, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.
  • Verweigert den Kontakt: Macht dem Stalker einmal und unmissverständlich klar, dass ihr keinen Kontakt mit ihm wollt. Das sollte am besten unter Zeugen oder schriftlich passieren, damit ihr eine bessere Dokumentation über den Fall führen könnt.
    Danach solltet ihr versuchen, die Person zu ignorieren, das bedeutet auch, dass keine SMS, Emails oder Briefe beantwortet werden. Dem Täter soll durch eure ständige Ignoranz begreiflich gemacht werden, dass alle seine Bemühungen vergeblich sind – kurz: er soll das Interesse verlieren.
  • Werdet ihr konkret bedroht, hilft nur das alarmieren der Polizei! Versucht lieber nichts auf eigene Faust, sondern wendet euch direkt an die nächste Dienststelle.
  • Dokumentation ist das A und O: Hebt alle Briefe auf, speichert alle SMS, Emails und Mailboxnachrichten ab. Außerdem solltet ihr sämtliche Anrufe in einer Art Tagebuch festhalten und euch Datum, Uhrzeit usw. vermerken, ein Anrufbeanworter kann hierbei auch sehr hilfreich sein
  • Informiert eure Familie, Freunde und Kollegen über eure Situation: Erklärt, dass der Kontakt auf keinen Fall erwünscht ist und keine Nummer oder Adresse rausgegeben werden sollen.
  • Hat der Stalker eure Festnetznummer, so könnt ihr eine Fangschaltung bei eurem Telefonanbieter einrichten lassen, um konkret zu erfahren, wer euch nachstellt. Auch eine Geheimnummer wäre durchaus sinnvoll, um nicht weiter behelligt zu werden. Selbes gilt natürlich auch für eure Handynummer.
  • Um eurer Sicherheits- und Selbstwertgefühl zu steigern, sind Selbstverteidigungs- oder Selbstbehauptungskurse sinnvoll. Dort lernt ihr nicht nur, euch körperlich zu wehren, sondern vor Allem werdet ihr für bestimmte Situationen gezielt geschult.
Monika Taut, Kriminalhauptkommissarin und Präventions-Expertin der Polizeidirektion Hannover:
Welche Beweise braucht man?

Weitere Informationen und Beratung findet ihr bei der Deutschen Stalking-Opferhilfe oder bei euren örtlichen Polizeistellen.