Was ist die Walpurgisnacht?

Jeder Niedersachse weiß: Bei der Walpurgisnacht tanzen die Hexen auf dem Brocken. Doch warum eigentlich? Das erfahrt ihr hier.

Zuerst erwähnt wurde das Fest bei den Kelten. Diese feierten die Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende allgemein als Beginn der warmen Jahreszeit.
Im Rahmen dieses Festes entzündeten die Kelten Freudenfeuer und zogen lärmend umher. Junge Birkenbäume wurden als Symbol der Fruchtbarkeit aufgestellt und umtanzt. Die Nacht wurde auch genutzt, um die weisen Frauen, sogenannte „Hagazussen“, über die Zukunft zu befragen.

Im Zuge der Christianisierung wurde dieses heidnische Fest jedoch wie viele andere volkstümliche Bräuche, im wahrsten Sinne des Wortes: verteufelt. Da das Fest zur Begrüßung der warmen Jahreszeit aber derart fest in den volkstümlichen Traditionen verankert war, ließ es sich nicht gänzlich abschaffen.


Die christliche Alternative war bald gefunden: Die Kirche zog den 1. Mai heran, den Tag der Heiligsprechung der heiligen Walburga, und erklärte ihn zum Festtag. Aus den „Hagazussen“ wurden die Hexen, was zur Zeit der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert grausame Auswirkungen hatte. Aus den Freudenfeuern wurden die Feuer, die böse Geister fernhalten sollten, und die heilige Walburga wurde von der Kirche zur Schutzpatronin gegen Hexen und Zauberei, aber auch gegen Krankheiten erklärt.

Ferner entwickelten sich aus dieser Hysterie gegenüber vermeintlichen Hexen zahlreiche Schauergeschichten, die den Aberglauben und die Furcht zusätzlich schürten. Weitverbreitet war die Vorstellung, dass die Hexen in der Walpurgisnacht auf ihren Besen zum Blocksberg ritten, um sich dort mit dem Teufel zu vereinen. Als Opfergabe nahmen sie dazu kleine Kinder mit, so beschrieb es der Volksmund.

Die Nacht zum 1. Mai galt als eine göttlich-wirkkräftige Zeit, war also ein besonders günstiger Termin um Zauberbräuche auszuüben. Einige dienten dem Schutz vor Unheil und Hexerei. Wirken sollte zum Beispiel Folgendes:
Wenn in der Walpurgisnacht mit geweihten Glocken geläutet wird, dann können die Hexen, die an Kreuzungen ihre Tänze mit dem Teufel abhalten, einem nichts anhaben.
Um Vieh und Häuser zu schützen, wurde in dieser Nacht geweihtes Salz auf die Türschwellen der Ställe und Häuser gestreut. Aber auch das Aufhängen von Baldrian- und Oregano-Zweigen an den Stallungen sollte verhindern, dass das Vieh verhext wurde, da man glaubte, dass Hexen diesen Duft nicht leiden konnten.
Die Besen wurden in dieser Nacht mit dem Reisig nach oben aufgestellt, das galt als sichere Abwehr gegen die Hexen. Es war auch üblich, zur Hexenabwehr ein Messer ins Schlüsselloch zu stecken.
Mancherorts zogen die jungen Männer peitschenknallend durch die Gassen, um besonders an den Kreuzungen dafür zu sorgen, dass sich dort keine Hexen versammeln konnten. Wer in der Walpurgisnacht einen Grundel Rebenkranz trug, erkannte angeblich alle Hexen auf den ersten Blick.


Die erste organisierte Walpurgisfeier auf dem Brocken fand im Jahre 1896 statt. Ab 1899 konnten die Feiernden dann sogar mit der Brockenbahn hinauffahren. Das Fest wurde dort jedoch vorerst nur bis zum Jahre 1901 begangen. Dann verbot der damalige Brockenbesitzer, der Fürst von Stolberg-Wernigerode, das "satanische" Spektakel.
Inzwischen sind nicht nur jedes Jahr am Nachmittag und in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai auf dem Brocken im Harz die "Hexen" und "Teufel" los, sondern die ganze Region feiert diese Tradition.