Wie wird man Bundespräsident/in?

Der/die Bundespräsident/in ist das Staatsoberhaupt Deutschlands. Am 12. Februar 2017 wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Joachim Gauck gewählt. Doch wer wählt da eigentlich und wer kann sich zur Wahl aufstellen lassen? Hier erfahrt ihr die wichtigsten Infos.


Wer kann gewählt werden?
Laut Grundgesetz kann jeder deutsche Staatsbürger, der das 40. Lebensjahr vollendet hat, Bundespräsident/in werden.

Wer wählt?
Die Bundesversammlung setzt sich zur einen Hälfte aus den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und zur anderen Hälfte aus Personen, die die Bundesländer entsandt haben, zusammen.
Die Vertreter der Bundesländer müssen keine Landtagsbgeordneten, sondern können auch z. B. Promis sein. Wie viele Vertreter die einzelnen Bundesländer schicken können, errechnet sich aus der jeweiligen Bevölkerungszahl.

Die Bundesversammlung im Jahr 2017 setzt sich aus 630 Mitgliedern des Bundestag und 630 Ländervertretern zusammen. Insgesamt wählen also 1.260 Personen den Bundespräsidenten oder die Bundespräsidentin.

Nominierung und Wahl des Bundespräsidenten
Jedes Mitglied der Bundesversammlung kann Vorschläge für Kandidatinnen und Kandidaten schriftlich einreichen. Beiliegen muss natürlich auch eine schriftliche Zustimmungserklärung. Meist ist es aber so, dass die Parteien des Bundestages einzelne oder gemeinsame Vorschläge abgeben.

Der Wahlvorgang ist geheim und kann bis zu drei Wahlgänge haben. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine absolute Mehrheit (mehr als die Hälfte) der abgegebenen Stimmen notwendig. Im 3. Wahlvorgang ist nur noch eine relative Mehrheit. Das bedeutet, dass es eine Abstimmungsmehrheit im Vergleich zu den Stimmen, die andere Personen abgegeben haben, gibt.

Wann findet die Wahl statt?
Die Bundesversammlung kommt spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammen, um neu zu wählen. Bis 2009 wurde immer am 23. Mai gewählt, an dem Tag wurde dann auch gleich die Unterzeichnung des Grundgesetzes gefeiert. Durch den Rücktritt Horst Köhlers am 31. Mai 2010 und von Christian Wulff am 17. Februar 2012 wurde der Rhythmus dann aber immer wieder verändert.
Wenn ein Bundespräsident zurücktritt, trifft sich die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später. In der Zwischenzeit werden die Amtsgeschäfte dann vertretungsweise durch den Präsidenten des Bundesrates wahrgenommen.

Wo findet die Wahl des deutschen Bundespräsidenten statt?
Die Wahl findet im Plenarsaal des Bundestages im Reichstagsgebäude in Berlin statt.

Nach der Wahl:
Der neugewählte Bundespräsident tritt sein Amt an, sobald die Amtszeit des Vorgängers abgelaufen ist.
Nach dem Grundgesetz Art. 55 Absatz 1 & 2 darf ein Bundespräsident weder der Regierung noch einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder Landes angehören. Er oder sie darf kein anderes besoldetes Amt, kein Gewerbe und keinen Beruf ausüben oder einem Aufsichtsrat eines Unternehmens angehören.
Der Bundespräsident ist für fünf Jahre gewählt und kann anschließend nur ein Mal wiedergewählt werden.

Die Aufgaben des Bundespräsidenten
Der Bundespräsident repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland nach innen und außen. Das umfasst öffentliches Auftreten bei Veranstaltungen staatlicher, gesellschaftlicher oder kultureller Art, sowie Staatsbesuche im Ausland und den Empfang ausländischer Staatsgäste.

Zudem vertritt er den Bund völkerrechtlich. Das bedeutet unter anderem, dass er im Namen des Bundes die Verträge mit auswärtigen Staaten abschließt und deutsche diplomatische Vertreter beglaubigt, sowie ausländische Diplomaten empfängt.
Außerdem gibt er den Vorschlag zur Wahl des Bundeskanzlers ab und ernennt und entlässt diesen, sowie die Bundesminister.
Weitere Aufgaben sind die Auflösung des Bundestages, die Unterzeichnung und Verkündung von Gesetzen, das Begnadigungsrecht für den Bund, das Ordensrecht des Bundes und vieles mehr.

Die bisherigen Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
  • Theodor Heuss 12.09.1949 - 12.09.1959
  • Heinrich Lübke CDU 13.09.1959 - 30.06.1969
  • Gustav Heinemann 01.07.1969 - 30.06.1974
  • Walter Scheel 01.07.1974 - 30.06.1979
  • Karl Carstens 01.07.1979 - 30.06.1984
  • Richard von Weizsäcker 01.07.1984 - 30.06.1994
  • Roman Herzog 01.07.1994 - 30.06.1999
  • Johannes Rau 01.07.1999 - 30.06.2004
  • Horst Köhler 01.07.2004 - 31.05.2010
  • Christian Wulff 30.06.2010 - 17.02.2012
  • Joachim Gauck seit 18.03.2012