Chronik des NSU!

Am 6. Mai 2013 hat in München die Gerichtsverhandlung gegen die Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), auch bekannt als Zwickauer Zelle, begonnen.

Beate Zschäpe wird zur Last gelegt, an der Ermordung von 10 Menschen beteiligt und Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Außerdem wurde sie wegen schwerer Brandstiftung und dreifachen versuchten Mordes angeklagt.

Nach 4 Jahren Verhandlungen wird am 25. Juli 2017 wahrscheinlich die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen.


Hier findet ihr eine (mögliche) Chronik der Ereignisse vor dem Prozess:

Beate Zschäpe (geb. 1975), Uwe Mundlos (geb. 1973) und Uwe Böhnhardt (geb. 1977) lernen sich anfang der 90er Jahre in Jena kennen. Zunächst ist Zschäpe mit Mundlos liiert, später soll sie auch mit Böhnhardt zusammen gewesen sein.
Als Mundlos 1994 seinen Wehrdienst ableistet, findet die Polizei bei einer Routine-Durchsuchung ein Bild von Rudolf Heß und eine selbst gebastelte Visitenkarte mit Adolf Hitler in seinen Taschen. Während seiner daraus resultierenden Arreste überwacht ihn der Militärische Abschirmdienst.


Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gründen 1996 unter anderem mit dem Neonazi Tino Brandt, der beim Verfassungsschutz als V-Mann geführt wird, den "Thüringer Heimatschutz". Die drei werden als Neonazis mit Verbindung zur NPD im Landes-Verfassungsschutzbericht des Jahres namentlich genannt.

Böhnhardt hängt 1996 einen Puppentorso mit Davidstern und einem Schild, auf dem "Jude" steht, über eine Brücke der A4. Da die Puppe außerdem eine Bombenattrappe trägt, können sie die Beamten aus Sicherheitsgründen erst Stunden nach der Tat entfernen.

1996 sollen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe auf dem Erfurter Hauptbahnhof die Punks Benjamin und Dominik Reding erst verbal und dann mit Schüssen angegriffen haben. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt auch in diesem Fall seit März 2013 gegen Zschäpe.

Im selben Jahr erschienen Böhnhardt und Mundlos mit SA-ähnlichen Uniformen bekleidet und weitere Personen in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald und erhielten daraufhin dort Hausverbot.


Am 21. April 1997 wurde Böhnhardt wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt, wobei mehrere Vorstrafen wegen zum Teil gemeinschaftlich begangenen Diebstahls, mehrfachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Gefährdung des Straßenverkehrs, Kennzeichenmissbrauchs sowie Erpressung und gefährlicher Körperverletzung einbezogen wurden.


Im Januar 1998 wurden in Jena sieben Wohnungen und Garagen mutmaßlicher Rechtsextremisten durchsucht. Dabei werden in einer von Zschäpe angemieteten Garage fünf funktionsfähige Rohrbomben ohne Zünder mit insgesamt 1,4 kg TNT gefunden. Der Sprengstoff gehörte zu den insgesamt 38 kg TNT, die 1991 aus einer unterirdischen Lagerstätte für Waffen der ehemaligen Nationalen Volksarmee gestohlen worden waren. Noch bevor ein Haftbefehl ausgestellt wurde, tauchten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe ab.


Es folgen diverse Banküberfälle und Sprengstoffanschläge unter anderem mit einer Nagelbombe am 9. Juni 2004 in Köln-Mülheim, bei dem 22 Menschen teilweise lebensgefährlich verletzt wurden. Später melden Zeitungen, das sich das Zwickauer Trio in einem Bekennervideo, das in einem zerstörten Haus gefunden wurde, zu dieser Tat bekannt habe.

Von 2000 bis 2007 werden in verschiedenen Großstädten Deutschlands zehn Menschen ermordet. Acht von ihnen haben einen türkischen Migrationshintergrund, das neunte Opfer stammt aus Griechenland und das zehnte Opfer ist eine Polizistin. Diese Taten werden der Gruppe, die sich selbst jetzt NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) nennt, zur Last gelegt. HIER findet ihr die Namen und Geschichten der Opfer.


Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt überfallen am 4. November 2011 in Eisenach eine Bank und erbeuten 70.000 Euro. Die Polizei verfolgt die Täter und umstellt ihr Wohnmobil. Böhnhardt und Mundlos begehen Selbstmord und stecken das Wohnmobil in Brand.
Nur wenige Stunden später explodiert in Zwickau eine Bombe in der Wohnung, in der das Trio gewohnt hatte.

Beate Zschäpe stellt sich wenige Tage später der Polizei. Im teilweise zerbombten Haus wird ein Bekenner-Video für alle 10 Morde und die Česká-Pistole gefunden, die bei den Morden benutzt wurde. Im Wohnmobil von Mundlos und Böhnhard wurden unter anderem die gestohlenen Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin und ihres verletzten Kollegen gefunden. Am 13. November 2011 erlässt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Haftbefehl gegen Beate Zschäpe.


Der Spiegel berichtet 2012 über einen geheim gehaltenen Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz, aus dem hervorgeht, dass die Verfassungsschützer schon 1999 Hinweise auf das Versteck der Terroristen hatten. In Folge dieser Anschuldigungen wird dem Staat vorgeworfen, schwerwiegende Fehler begangen zu haben und damit die NSU-Mordserie womöglich nicht verhindert zu haben.
Am 26. Januar 2012 setzt der Deutsche Bundestag einen ersten Untersuchungsausschuss ein.
Im Januar 2012 wird außerdem der Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben durch eine Aussage schwer belastet. Er soll die Zwickauer Zelle nach ihrem Untertauchen finanziell unterstützt und ihnen Waffen besorgt haben. Es werden immer mehr Unterstützer, die Autos, Wohnungen, Pässe und Waffen geliefert haben sollen, gefunden und verhaftet .

Der Untersuchungsausschuss stellt fest, dass das Bundesinnenministerium die Vernichtung von Akten des Verfassungsschutzes zum Thema Rechtsextremismus angeordnet habe, nur 10 Tage nachdem das Trio aufgeflogen war. Unter anderem wurden Abhörprotokolle von Telefongesprächen vernichtet. Laut Innenministerium sei der zeitliche Zusammenhang zum Bekanntwerden der Zwickauer Zelle reiner Zufall.

Der NSU-Untersuchungsausschuss bekommt von den Berliner Behörden Einsicht in Akten über den V-Mann Thomas S., der die Rechtsterroristen mit Sprengstoff versorgt haben soll. Darin macht er bereits 2002 Angaben zum Versteck des Trios. Die Berliner Behörden hatten die Akten allerdings nicht weitergeleitet.
Ein Sonderermittler für Aktenvernichtung im Bundesamt für Verfassungsschutz deckt auf, dass etwa 300 Akten zum Thema Rechtsextremismus vernichtet wurden.