Was ist auf dem Fahrrad erlaubt?

Das Fahrrad ist für Kurzstrecken und in der Stadt eine umweltschonende Alternative zum Auto. Doch auch für Radfahrer gelten Verkehrsregeln. Muss ich auf dem Radweg fahren? Darf ich auf dem Fahrrad Musik hören? Und ist es erlaubt, nebeneinander zu fahren? Das und mehr erfahrt ihr hier.


Ist Telefonieren und Musikhören erlaubt?
Das Telefonieren auf dem Fahrrad ohne Freisprecheinrichtung ist genauso wie im Auto verboten. Wenn ihr mit Handy am Ohr erwischt werdet, kostet das 25 Euro. Dazu gilt, auch wie im Auto: Schon der Blick aufs Display ist verboten, Nummern eingeben und SMS tippen natürlich auch.

Telefonieren mit einem Knopf im Ohr ist erlaubt. Musikhören über beide Kopfhörer kann euch allerdings in Schwierigkeiten bringen. Denn dann könnt ihr das Verkehrsgeschehen, also Autohupen und Martinshörner, nicht mehr uneingeschränkt wahrnehmen. Werdet ihr erwischt, kostet das 10 Euro Strafe.


Darf ich freihändig fahren?
Was viele nicht wissen: Freihändig Fahrrad fahren ist verboten! Die Polizei bestraft das mit 5 Euro Verwarngeld.


Müssen Radfahrer den Radweg benutzen?
Den Radweg müsst ihr nur benutzen, wenn er ausdrücklich mit einem runden, blauen Radwegschild gekennzeichnet und befahrbar ist. Wenn ihr jedoch trotz beschilderten Radwegs auf der Straße fahrt, kostet das ein Bußgeld von 15 Euro. Ansonsten ist es für Fahrradfahrer sicherer auf der Straße zu fahren, da sie dort nicht so schnell von Autofahrern übersehen werden können.

Wenn ihr einen Radweg benutzt, müsst ihr unbedingt darauf achten, in die richtige Richtung zu fahren. Linksfahren ist nur auf speziell gekennzeichneten Radwegen erlaubt. Eine Fahrt in nicht zugelassener Richtung kostet ebenfalls 15 Euro.

Inline-Skates oder Rollschuhe dürfen seit April 2013 übrigens nur noch dann auf Radwegen fahren, wenn es mit einem Zusatzzeichen gekennzeichnet ist. Sie müssen ansonsten auf den Fußgängerweg ausweichen und sich da den Fußgängern und ihrer Gehgeschwindigkeit anpassen.


Welche Ampel gilt für den Radverkehr?
Wenn eine Fahrradampel oder eine kombinierte Fuß- und Radfahrerampel vorhanden ist, müssen sich Radfahrer an diese halten. Gibt es nur eine Ampel für Autos und eine für Fußgänger, gilt die Fahrbahnampel.


Dürfen Radfahrer betrunken fahren?
Betrunken auf den Drahtesel umzusteigen, ist meist eine schlechte Idee. Zwar gibt es keine feste Promillegrenze, doch wer mit mehr als 1,6 Promille von der Polizei erwischt wird, kann seinen Führerschein verlieren.
Denn dann steht die medizinisch-psychologische Untersuchung, auch Idiotentest genannt, an und wenn ihr da durchfallt oder den Test verweigert, ist der Führerschein weg. Verursacht ihr betrunken mit dem Fahrrad einen Unfall, kann unter Umständen bereits bei 0,3 Promille der Führerschein entzogen werden.


Gibt es eine Höchstgeschwindigkeit für Radfahrer?
Eine gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahrräder gibt es nicht. Fahrräder dürfen aber nur so schnell fahren, wie es allgemein von ihnen erwartet wird. Sie müssen dabei, wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch, ihre Geschwindigkeit der Verkehrssituation, der Witterung und den Sichtverhältnissen anpassen.


Bis wann dürfen Kinder auf dem Bürgersteig fahren?
Kinder bis acht Jahren müssen auf dem Bürgersteig fahren. Zwischen acht und zehn Jahren dürfen sie sich aussuchen, ob sie auf dem Bürgersteig oder auf der Straße fahren möchten. Danach ist es nicht mehr erlaubt, auf dem Gehweg zu fahren, wenn ihr erwischt werdet, müsst ihr 15 Euro zahlen.


Müssen Radfahrer über einen Zebrastreifen schieben?
Um als Radfahrer die gleichen Rechte wie ein Fußgänger am Zebrastreifen zu haben, müsst ihr tatsächlich schieben. Ansonsten müsst ihr als Radfahrer den Autos Vorfahrt gewähren. Wenn ihr über einen Zebrastreifen fahrt und ein Unfall passiert, tragt ihr meist eine Mitschuld.


Reicht eine Ansteckleuchte als Beleuchtung?
Bis 2013 war in der Straßenverkehrszulassungsordnung festgelegt, dass Fahrräder mit einer Lichtmaschine, also einem Dynamo, ausgestattet sein müssen. Ansteckleuchten waren nur als zusätzliches Licht erlaubt.
Im Juli 2013 hat der Bundesrat "eine Leuchte mit Batterien oder einen wieder aufladbaren Energiespeicher alternativ neben dem Dynamo ermöglicht".


Anhalten bei roter Ampel?
Die Ampel gilt für Fahrradfahrer genauso wie für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Wenn ihr über eine Ampel fahrt, die noch nicht länger als eine Sekunde rot ist, kostet das 60 Euro Bußgeld. Zeigt die Ampel schon länger rot, bezahlt ihr 100 Euro und es gibt einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung anderer oder gar einem Unfall wird es deutlich teurer.


Müssen Radfahrer einen Helm tragen?
Eine Helmpflicht besteht in Deutschland nicht. Allerdings ist es zu empfehlen, einen Helm zu tragen, da ihr damit schwere Kopfverlertzungen verhindern oder zumindest vermindern könnt.
Radfahrer ohne Helm tragen eine Mitschuld, wenn sie sich bei einem Zusammenstoß am Kopf verletzen. Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat im Juni 2013 entschieden, dass dies auch dann gilt, wenn sich der Unfallgegner verkehrswidrig verhalten hat. Zur Begründung hieß es, zwar bestehe keine Helmpflicht. Es sei aber unzweifelhaft, dass ein Helm vor Kopfverletzungen schütze. Auch sei die Anschaffung wirtschaftlich zumutbar.
In anderen europäischen Ländern ist das Tragen von Helmen teilweise vorgeschrieben. So gilt in Spanien eine Helmpflicht außerhalb geschlossener Ortschaften, in Tschechien für alle Fahrradfahrer unter 18 Jahren und in Schweden für alle unter 15.


Ist es erlaubt nebeneinander zu fahren oder jemanden auf dem Gepäckträger mitzunehmen?
Nebeneinander fahren ist erlaubt! Allerdings nur, wenn genügend Platz vorhanden ist und ihr niemanden behindert oder gefährdet. Bei Behinderung bezahlt ihr sonst 20 Euro, bei einer Gefährdung werden 25 Euro fällig.
Fahrradfahrer schlängeln sich ja auch gerne mal an haltenden Autos vorbei, das ist auch erlaubt, solange ihr einen ausreichenden Abstand einhaltet.

Das Mitfahren auf dem Gepäckträger oder der Lenkstange ist verboten und kostet 5 Euro. Euer Kind könnt ihr natürlich auf dem Fahrrad mitnehmen, allerdings nur mit einem Gepäckträgersitz oder einem Anhänger. Dann darf das Kind aber nicht über 7 Jahre alt sein. Diese Regelung gilt allerdings nicht für behinderte Kinder.