Alles, was ihr noch nicht zum Thema Fensterputzen wusstet (und auch bisher nicht wissen wolltet)
Immer, wenn die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr auftauchen, geht es ans Fensterputzen. Aber ist wirklich immer noch die gute alte Zeitung die beste Wahl? Und welche Rekorde gibt es rund um das Thema? Hier finde ihr eine Menge "unnützes" Wissen, das ihr sehr gern weitererzählen könnt.
Deutsche putzen mit Zeitungen
Der Mythos, man solle Fenster mit Zeitungspapier trockenreiben, hält sich in Deutschland hartnäckig, ist aber bei modernen Druckfarben kontraproduktiv. Die heutige Druckerschwärze hinterlässt oft graue Schleier auf dem Glas, weshalb Experten heute strikt davon abraten.
- Essig ist tatsächlich super gegen Kalkflecken.
- Spiritus löst Fett und sorgt dafür, dass das Wasser schneller verdunstet, was Streifen verhindert.
- Auch Klarspüler lässt das Wasser schneller abfließen.
- Die in schwarzem Tee enthaltenen Gerbstoffe lösen hartnäckige Fettverschmutzungen wie Fingerabdrücke oder Nikotin. Einfach zwei Beutel in einer Tasse Wasser ziehen lassen und zum Putzwasser geben.
- Rohe Kartoffelscheiben werden benutzt, um "blinde" Stellen auf altem Glas zu polieren. Die enthaltene Stärke wirkt wie ein sehr sanftes Schleifmittel und bringt alten Glanz zurück.
- Eine halbierte Zwiebel löst hartnäckige Insektenrückstände. Die Enzyme der Zwiebel spalten die organischen Verbindungen auf, ohne das Glas anzugreifen.
- Ein Tropfen Weichspüler im Wasser soll verhindern, dass die Scheiben statisch aufgeladen werden und Staub anziehen. Tatsächlich führt zu viel davon aber zu einem schmierigen Film, der bei direktem Sonnenlicht extrem spiegelt.
- In kalten deutschen Wintern mischen Profis Spiritus ins Putzwasser, um das Einfrieren der Scheibe zu verhindern. Man muss jedoch vorsichtig sein, da Spiritus die Gummidichtungen der Fensterrahmen spröde machen kann.
Die effektivste Technik
Anstatt den Abzieher einfach nur von oben nach unten zu ziehen, nutzen Profis die Schlangen- oder S-Form. Dabei setzt man den Abzieher kein einziges Mal ab. Das verhindert die typischen Ansatzstreifen. Am besten ihr beginnt oben in einer Ecke und führt den Abzieher in einer flüssigen S-Bewegung horizontal über die Scheibe nach unten. Das Wasser wird dabei immer „vor“ der Gummilippe hergeschoben.
Ihr braucht
- Einen sogenannten Einwascher. Das ist ein Stab mit Mikrofaserbezug. Er hält viel Wasser und löst Schmutz schneller als jeder Schwamm.
- Einen hochwertigen Abzieher. Die Gummilippe muss scharfkantig und weich sein. Wenn das Gummi alt ist, entstehen Streifen, ganz egal wie gut eure Technik ist.
- Zwei Mikrofasertücher. Eines für den groben Schmutz am Rahmen und ein ganz trockenes (spezielles Glas-Poliertuch) für die Ecken.
Restauratoren benutzen Spucke
In der deutschen Denkmalpflege wird bei extrem empfindlichen, historischen Kirchenfenstern teils bis heute Speichel zur Reinigung genutzt. Die im Speichel enthaltenen Enzyme lösen organischen Schmutz, ohne das antike Glas oder die Bleifassung anzugreifen.
Angst vor Regenwasser
Eine Umfrage ergab 2024, dass über 60 % der Deutschen glauben, Regen mache Fenster sofort wieder schmutzig. Tatsächlich ist sauberer Regen in Deutschland meist kalkfrei, der Staub auf der Scheibe sorgt in Verbindung mit dem Wasser für die Schlieren.
Egal welches Mittel ihr nutzt: Putzt niemals bei direkter Sonneneinstrahlung. Das Wasser trocknet so schnell auf der Scheibe, dass ihr mit dem Polieren nicht hinterherkommt.
Schmutz schützt Vögel
Der NABU Deutschland rät im Früjahr davon ab, Fenster zu gründlich zu putzen, um Vogelschlag zu verhindern. Hochglanzpolierte Scheiben reflektieren den Himmel so perfekt, dass Vögel das Hindernis nicht mehr als solches wahrnehmen können. Jedes Jahr sterben etwa 100 Millionen Vögel in Deutschland an den Folgen solch eines Zusammenstoßes.
Fensterputzer-Weltrekord
In Berlin wurde 2024 ein inoffizieller Rekord im „Speed-Cleaning“ aufgestellt, bei dem ein Profi ein Standardfenster in unter 7 Sekunden streifenfrei reinigte. Dabei benutzte er eine spezielle Technik, bei der Abzieher und Einwascher fast gleichzeitig bewegt wurden.
Fensterputzen als Kalorienfresser
Eine Stunde intensives Fensterputzen verbrennt in etwa so viele Kalorien wie 30 Minuten Joggen (ca. 300 kcal). Es beansprucht besonders die Schulter- und Rückenmuskulatur, was es zu einem effektiven Ganzkörper-Workout macht.
Fensterputz-Verbot am Sonntag
In vielen deutschen Hausordnungen ist das Fensterputzen an Sonntagen verboten, wenn es durch Fenstersauger oder das Klappern von Leitern die Sonntagsruhe durch Lärm stört. Rechtlich gilt dies als vermeidbare Ruhestörung, die mit Bußgeldern belegt werden kann.
Roboter putzen in deutschen Haushalten
Während Saugroboter bereits in fast jedem vierten bis fünften Haushalt in Deutschland zu finden sind, stecken Fensterputzroboter noch in einer Nische. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland aktuell zwischen 400.000 und 700.000 Geräte im Einsatz sind. Der Markt wächst laut Schätzungen jährlich um etwa 15–20 %.
Fensterputzen gegen Stress
Deutsche Psychologen nutzen das Fensterputzen oft als Beispiel für "Micro-Achievement". Das schnelle, sichtbare Ergebnis hilft vielen Menschen dabei, in stressigen Phasen wieder ein Gefühl von Kontrolle über ihre Umwelt zu erlangen.
Die teuerste Fensterreinigung
Die Reinigung der 16.000 Quadratmeter Glasfläche der Hamburger Elbphilharmonie kostet jährlich einen sechsstelligen Betrag. Industriekletterer benötigen für einen kompletten Durchgang etwa drei Wochen, da jedes der 1.100 Glaselemente individuell gewölbt ist.
Deutschlands größtes "Fenster"
Das riesige Glasdach des Berliner Hauptbahnhofs umfasst über 30.000 Quadratmeter Glasfläche. Die Reinigung dauert mehrere Monate und wird oft von automatisierten Robotern unterstützt, die sich an den Schienen der Konstruktion entlanghangeln.
Eine Mammutaufgabe: Burj Khalifa in Dubai
Das höchste Gebäude der Welt (828 Meter) in Dubai zu putzen, ist kein Job für Menschen mit Höhenangst. Die über 100.000 Quadratmeter Glasfläche wird von etwa 36 Fassadenkletterern in drei bis vier Monaten geputzt. Sobald sie fertig sind, fangen sie meist direkt wieder von vorne an. In den obersten Etagen ist es oft so windig und heiß, dass die Reiniger nur in den frühen Morgenstunden arbeiten können.