Die besten Tipps und Tricks für euren nächsten Flohmarktbesuch
Psychologen sind sich einig: Der Flohmarkt triggert unsere urzeitlichen Instinkte. Das plötzliche Entdecken eines „Schatzes“ schüttet im Gehirn massenhaft Dopamin aus und deshalb sind Flohmärkte weltweit beliebt.
Wir haben ein paar Tipps und Tricks für euch, wie ihr auf dem nächsten Flohmarkt ganz leicht Wertvolles von Ramsch unterscheiden könnt und ihr seht, was für unbezahlbare Dinge schon für wenig Geld auf dem Trödelmarkt gefunden wurden.
Historisches
- Ein historischer Vorläufer des Trödelmarktest um 1700 herum hieß Fly Market. Der Name hatte nichts mit Flöhen zu tun, sondern leitete sich vom niederländischen Wort vly ab, was „Tal“ oder „Sumpf“ bedeutet, da der Markt auf einem trockengelegten Sumpfgebiet lag.
- Der Begriff „Flohmarkt“ stammt wohl aus dem Französischen. Im späten 19. Jahrhundert schenkten reiche Pariser ihre abgelegte Kleidung den Armen. Diese verkauften sie vor den Toren der Stadt (außerhalb der Zollgrenze) weiter, zusammen mit den darin lebenden Flöhen.
- Es gibt die Legende, dass ein adliger Herrscher beim Anblick des Gewusels in den Pariser Gassen ausrief: „Das sieht ja aus wie ein Markt voller Flöhe!“ und daher der Name kommt.
- Die Feira da Ladra in Lissabon existiert nachweislich seit 1272 bis heute. Der Name bedeutet „Markt der Diebin“. Im Mittelalter war es wohl ein Ort, an dem Diebe ihre Beute (meist legalisiert nach einer bestimmten Frist) straffrei verkaufen durften.
- Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Flohmarktbesuch ein Zeichen von Armut. Das Stöbern nach alten Dingen wurde erst seit den 1960er Jahren zum sonntäglichen Lifestyle- bzw. Familien-Event.
Ein paar Tipps und Tricks für euren nächsten Flohmarktbesuch
Der wichtigste Tipp: Am besten ihr geht auf kleine Floh-, Straßen und Hofmärkte, um noch echte Schätze zu finden. Dort erfahrt ihr auch noch die Geschichten der einzelnen Dinge, wenn ihr euch ein bisschen mit den Händlerinnen und Händlern unterhaltet. Auf vielen großen Flohmärkten sind mittlerweile mehr als 50 % der Stände gewerbliche Händler, die Neuware (wie Handyhüllen oder Socken) verkaufen.
Die besten Schnapper macht ihr morgens, wenn die Händler auspacken. Gut ist auch die letzte Stunde des Flohmarktes, dann haben die privaten Verkäufer keine Lust mehr, die schweren Kisten wieder ins Auto zu schleppen.
- Feilscht niemals um wenige Euro, wenn ihr nur große Scheine im Portemonnaie habt. Profis haben kleine Scheine und Münzen an verschiedenen Stellen (Jacken-, Hosentaschen etc.) dabei. Wenn ihr dann sagt: "Ich habe für den Teller leider wirklich nur noch diese 4 Euro bar in der Tasche" und die vier Münzen vorzeigt, schlagen 90 % der Verkäufer ein.
- Ein echter Silberstempel (z. B. 800 oder 925) ist Pflicht. Doch Vorsicht: Steht dort „90“ oder „100“, handelt es sich nur um eine dünne Versilberung.
- Um zu prüfen, ob eine Perle auf dem Flohmarkt echt ist, reibt man sie vorsichtig an den Schneidezähnen. Fühlt sie sich glatt an, ist sie aus Plastik oder Glas. Fühlt sie sich sandig-rau an, ist sie echt.
- Bernstein-Ketten sind ein beliebter Flohmarkt-Fund, werden aber extrem oft gefälscht. Reibt den Schmuck kräftig an eurer Kleidung bis er warm wird. Echter Bernstein duftet danach leicht nach Harz oder Nadelholz.
- Echte Antiquitätenhändler haben immer einen kleinen, starken Neodym-Magneten in der Tasche. Zieht der Magnet das Besteck oder den Schmuck an, ist es meist Eisen mit einer dünnen Edelmetallschicht und kein Gold oder Silber. Vorsicht auch bei Messing, bleibt der Magnet haften, ist es nur ein billiger Guss.
- Viele denken, alte Schreibmaschinen, mechanische Kameras oder Singer-Nähmaschinen seien Goldgruben. Das Gegenteil ist der Fall. Sie wurden in so riesigen Mengen produziert, dass sie meist fast wertlos sind.
- Echte antike Möbel (vor dem 19. Jahrhundert) haben fast nie perfekt scharfe Kanten oder exakt gerade Linien. Sie wurden von Hand gehobelt. Sind die Kanten maschinell perfekt, ist es eine Replik.
- Dicke Furnierschichten deuten auf ein echtes historisches Möbelstück hin, moderne Furniere sind hauchdünn.
- Achtet beim Möbeln auf die Schrauben: Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden Schrauben von Hand gefeilt. Der Schlitz ist fast nie exakt in der Mitte. Kreuzschlitzschrauben wurden erst in den 1930er-Jahren erfunden. Findet ihr sie an einer "Barock-Kommode" handelt es sich um eine moderne Replik.
- Eine kleine UV-Taschenlampe ist auch sehr nützlich. Leuchtet man damit auf Porzellan, Keramik oder Gemälde, sieht man sofort versteckte Risse, Klebestellen oder Retuschen. Frischer Kleber oder moderne Farbe leuchten unter UV-Licht völlig anders als die jahrzehntealte Originalsubstanz.
Besondere Funde
- Ein Mann kaufte 2007 in New York auf einem Flohmarkt eine kleine Keramikschale für 3 Dollar. Sie stand sechs Jahre im Schrank bis ein Gutachter feststellte, das es sich um ein chinesisches Relikt aus dem 10. Jahrhundert handelte. Wert: Über 2 Millionen Dollar.
- Ein britisches Paar kaufte 2010 bei einer Online-Haushaltsauflösung ein reich verziertes Holzbett für rund 2.200 Pfund, um es in ihrem Hotel aufzustellen. Erst Jahre später untersuchten Experten das Möbelstück genauer und stellten fest, dass es sich um das originale Hochzeitsbett von König Heinrich VII. und Elisabeth von York aus dem Jahr 1486 handelte.
- 2018 kaufte eine Frau in Texas für 35 Dollar eine Marmorbüste. Es stellte sich heraus: Es war das Porträt des römischen Generals Sextus Pompeius und über 2.000 Jahre alt. Sie stammte aus der Sammlung von König Ludwig I. von Bayern und verschwand im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde an Deutschland zurückgegeben.
- Ein Schnäppchenjäger entdeckte 2009 auf einem kleinen Flohmarkt in Hessen einen alten, ramponierten Geigenkoffer mit Inhalt und kaufte ihn für 50 Euro. Ein Geigenbauer stellte dann fest, dass es eine echte, hervorragend erhaltene Meistergeige aus der Werkstatt von Giuseppe Guarneri aus dem 18. Jahrhundert war und einen mittleren sechsstelligen Betrag wert war.
- Ein Schrotthändler in den USA kaufte 2004 ein goldenes Ei für 14.000 Dollar, um das Metall einzuschmelzen. Durch eine Google-Suche fand er heraus, dass es ein verschollenes kaiserliches Fabergé-Ei der Romanows im Wert von 33 Millionen Dollar war. Es wurde verkauft und ist leider in einer privaten Sammlung verschwunden.
- Ein Student kaufte 2002 kaufte für umgerechnet 15 Euro auf einem Markt in Oslo ein leicht vergilbtes Blatt mit einer düsteren Hafenszene. Als er das Blatt rahmen lassen wollte, stieß der Restaurator auf die winzige, originale Signatur von Edvard Munch. Es handelte sich um einen extrem seltenen, handsignierten Originalabzug, der später für über 200.000 Euro versteigert wurde.
- Eine Frau in den USA kaufte 2012 auf einem Flohmarkt für 7 Dollar ein Bild wegen des schönen Rahmens. Dahinter verbarg sich aber ein echtes, seit 1951 vermisstes Gemälde von Pierre-Auguste Renoir. Da das Kunstwerk aus dem Baltimore Museum of Art gestohlen worden war, entschied ein Bundesgericht, dass das Gemälde an das Museum zurückgegeben werden musste.
- Ein Mann erwarb 2018 auf einem Trödelmarkt an der deutsch-niederländischen Grenze ein völlig verrostetes, verkrustetes Stück Metall, das der Verkäufer als „alten Zaunpfahl oder Deko-Säbel“ beschrieb. Der Käufer reinigte das Stück und brachte es zu einem Museum. Dort stellte es sich als vollständig erhaltenes Wikinger-Schwert aus dem 9. Jahrhundert heraus. Der Fund war archäologisch so bedeutend, dass er das Budget des Museums sprengte und direkt von einer Stiftung angekauft wurde.
- Eine Frau kaufte in den 1980er-Jahren auf einem britischen „Car Boot Sale“ einen angeblichen Modeschmuck-Ring für 10 Pfund. Der Stein war riesig und sie trug ihn jahrzehntelang im Alltag. Erst 30 Jahre später ließ sie ihn schätzen. Der vermeintliche Glasklumpen war ein echter Diamant im Kissenschliff aus dem 19. Jahrhundert mit satten 26 Karat. Sotheby’s versteigerte das Schmuckstück kurz darauf für über 740.000 Euro.