Côte d’Ivoire: Legendäre, kuriose und filmreife Geschichten rund um den Fußball
Die Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) ist ein Land voller Kontraste: Hier treffen gigantische Rekord-Bauwerke auf dichten Dschungel und weltberühmte Fußball-Legenden auf scheue Zwergflusspferde. Wir schauen uns das afrikanische Land mal etwas genauer an:
- Die Fußballnationalmannschaft wird liebevoll Les Éléphants genannt. Sie gehören zu den erfolgreichsten Teams Afrikas und gewannen bereits dreimal den Afrika-Cup (1992, 2015 und 2024).
- Als die Elfenbeinküste 1992 zum ersten Mal den Afrika-Cup gewann, engagierte der Sportminister traditionelle Voodoo-Hexenmeister, um dem Team spirituelle Schützenhilfe zu leisten. Nach dem Turniersieg „vergaß“ das Ministerium jedoch, die Hexenmeister zu bezahlen. Die Schamanen belegten die Nationalmannschaft mit einem Fluch und tatsächlich lief danach über ein Jahrzehnt absolut gar nichts mehr zusammen. Erst im Jahr 2004 reiste eine Regierungsdelegation ins Dorf, zahlte die alten Schulden (plus Entschädigung) und bat um Vergebung. Promt qualifizierte sich das Team erstmals für die WM 2006.
- Das Land war da allerdings seit Jahren durch einen brutalen Bürgerkrieg in Nord und Süd gespalten. Superstar Didier Drogba und die Mannschaft fielen 2005 nach dem entscheidenden Spiel auf die Knie und flehten die Rebellen an, die Waffen niederzulegen und Wahlen abzuhalten. Mit Erfolg: Es wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der den Weg für Friedensgespräche ebnete.
- Beim Afrika-Cup 2024 im eigenen Land schrieben die Ivorer eine verrückte Comeback-Story: Nur durch Schützenhilfe anderer Teams rutschte das Team als historisch schlechtester Gruppendritter ins Achtelfinale. Dann ging es aber los: Die Elfenbeinküste schlug im Elfmeterschießen den Titelverteidiger Senegal, bezwang Mali in Unterzahl in der 122. Minute und holte am Ende tatsächlich den Pokal. Das ganze Land stand tagelang kopf.
- Aus der Hauptstadt Abidjan stammt der Verein ASEC Mimosas. Dessen Jugendakademie produzierte in den 90er und 2000er Jahren fast die komplette Nationalmannschaft. Das Kuriose: Die Jungs trainierten in der Akademie jahrelang prinzipiell barfuß, um ein besseres Ballgefühl zu entwickeln.
- Seit Jahrzehnten bittet die Regierung darum, den Landesnamen nicht mehr zu übersetzen. Im deutschen Alltag nutzen wir trotzdem meist „Elfenbeinküste“. Portugiesische und französische Seefahrer tauften die Küste im 15. Jahrhundert so, weil hier ein extrem intensiver (und trauriger) Handel mit Stoßzähnen von Elefanten stattfand.
- Der Elefant ist das stolze Nationalsymbol und gibt dem Land seinen Namen. Leider sind die Dickhäuter durch Wilderei und Abholzung extrem selten geworden. Es gibt heute schätzweise weniger als 400 wilde Elefanten im Land.
- Das Orange in der Flagge steht für die Savannen im Norden und die Fruchtbarkeit, Weiß für den Frieden und Grün für die Hoffnung und die dichten Wälder im Süden.
- Neben Französisch sprechen die Menschen über 75 Lokalsprachen.
- Rund ein Viertel der Bevölkerung der Elfenbeinküste besteht aus Einwanderern aus den ärmeren Nachbarstaaten (wie Burkina Faso oder Mali), die hier in der Landwirtschaft arbeiten.
- Die erste Kolonialhauptstadt der Franzosen wurde 1896 fluchtartig verlassen, nachdem eine verheerende Gelbfieber-Epidemie ausbrach. Heute stehen die prachtvollen Kolonialbauten als UNESCO-Weltkulturerbe direkt am Strand und versprühen einen charmant-morbiden Geistcharakter.
- Über acht Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, leben direkt oder indirekt vom Kakaoanbau.
- Die Elfenbeinküste ist der weltweit größte Produzent von Kakaobohnen. Rund 40 % des globalen Kakaos stammen von hier. Statistisch gesehen stecken in fast jeder zweiten Schokoladentafel, die ihr im Supermarkt kauft, Kakaobohnen aus der Elfenbeinküste.
- Neben Kakao ist das Land auch der weltweit größte Exporteur von rohen Cashewnüssen.
- Die einzige olympische Goldmedaille bisher holte Cheick Sallah Cissé im Jahr 2016 im Taekwondo.
- Der Mont Nimba ist mit 1.752 Metern der höchste Berg des Landes. Das Kuriose: Er liegt exakt auf der Grenze und ist gleichzeitig der höchste Berg des Nachbarlandes Guinea.
- Das Land teilt sich seine Grenzen mit Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana.
- In Yamoussoukro steht die Basilika Notre-Dame de la Paix. Laut Guinness-Buch der Rekorde ist sie die größte Kirche der Welt und übertrifft sogar den Petersdom in Rom.
- Die Elfenbeinküste war 1977 das allererste nicht-englischsprachige Land, das einen Oscar für den „Besten fremdsprachigen Film“ (Sehnsucht nach Afrika / Black and White in Color) gewann.
Euer unkomplizierter Matchplan für die „Akwaaba & Anpfiff“-Grillparty:
Da die Côte d’Ivoire die absolute Schokoladen- und Streetfood-Supermacht Afrikas ist, lässt sich das perfekt mit einem deutschen Grillabend kombinieren:
- Das absolute Nationalgericht der Elfenbeinküste sind frittierte Kochbananen. Kauft im Asia-Markt oder gut sortierten Supermarkt Kochbananen (sie sollten schon gelb-bräunlich sein). Schneidet sie in dicke Scheiben, werft sie in eine Pfanne mit reichlich Öl, bis sie goldbraun sind, und salzt sie leicht. Schmeckt süß-herzhaft und passt perfekt zu jeder deutschen Grillwurst.
- Das traditionelle ivorische Hähnchengericht „Kedjenou“ lebt von Ingwer, Chili und Knoblauch. Schneidet Hähnchenbrust in Stücke, mariniert sie intensiv mit viel geriebenem Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln und etwas Chilipulver und steckt sie auf Spieße für den Grill.
- Zu fast allem wird an der Elfenbeinküste eine scharfe Sauce gereicht. Schneidet Zwiebeln und Tomaten ganz fein, mischt sie mit etwas Öl, Zitronensaft und so viel Chili (am besten Habanero, wenn ihr euch traut) wie ihr mögt.
- Der absolute Party-Hit und mega erfrischend im Sommer: Püriert eine ordentliche Menge frischen Ingwer mit Wasser, siebt die Stücke ab und mischt den scharfen Saft mit viel Zucker, etwas Zitronensaft und einem Schuss Ananassaft. Eiskalt serviert pustet das euren Gästen die Atemwege frei.
- Da ihr das ivorische Nationalbier Ivoirienne hier schwer bekommt, kauft einfach das deutsche Äquivalent: Bier in der bauchigen 0,5-Liter- oder 0,33-Liter-„Stubbi“-Flasche.
- Schoko-Deko: Da fast jede zweite Kakaobohne weltweit von dort kommt, verteilt als Tischdeko einfach überall Schokoriegel oder Kakaobohnen.