Freitag, der 13.: Woher kommt die Angst vor dem Tag?
Statistisch gesehen passieren an einem Freitag, den 13. nicht mehr Unfälle oder Ähnliches als an jedem anderen Tag im Jahr. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall, weil die Menschen vorsichtiger sind. In Mexiko oder Brasilien gilt die 13 sogar oft als Glückszahl, und im Judentum ist sie ein Symbol für den Bund mit Gott und die 13 Eigenschaften der Barmherzigkeit.
Die Geschichte des Freitags, des 13., ist also weniger ein uralter Fluch, sondern eher ein kulturelles Thema. Weil wir heute alle davon wissen, achten wir an diesem Tag besonders auf Missgeschicke. Wenn uns montags der Kaffee umkippt, ist es nur Montag. Wenn es an DEM Tag passiert, sagen wir: "Klar, Freitag der 13.!"
Die Zahl 13
Die 13 gilt in vielen Kulturen als Unglückszahl, weil sie die perfekte Ordnung der 12 sprengt. Mathematisch ist die 12 das "Dutzend" (12 Monate, 12 Stunden). Es gibt 12 Sternzeichen, 12 Stämme Israels und 12 Apostel. Die 13 überschreitet dieses geschlossene System und wirkt daher störend oder unheimlich.
Die Zahl ist auch religiös aufgeladen: Beim letzten Abendmahl saßen 13 Personen am Tisch. Der 13. war Judas, der Verräter. In der nordischen Mythologie gab es ein Gastmahl in Walhall mit 12 Göttern. Loki, der Gott des Chaos, kam als ungeladener 13. Gast hinzu, was zum Tod des beliebten Gottes Balder führte. Bei Dornröschen ist es die 13. Fee, die nicht eingeladen wurde und aus Rache den tödlichen Fluch ausspricht.
Der Freitag
Lange bevor er mit der 13 kombiniert wurde, galt der Freitag schon als schwieriger Tag. Wer am Freitag die Segel setzte, forderte den Zorn Gottes oder der Meeresgötter heraus. Ein Schiff, das an einem Freitag getauft wurde oder auslief, war in den Augen der Besatzung dem Untergang geweiht.
Im Christentum ist der Karfreitag der Todestag Jesu. Der christlichen Überlieferung nach sollen Adam und Eva an einem Freitag von der verbotenen Frucht gegessen haben und aus dem Paradies vertrieben worden sein. Und auch der erste Mord der Menschheitsgeschichte (Kain an Abel) wurde auf einen Freitag datiert. Dadurch wurde der Freitag dann zum strengen Fastentag. Man darf/durfte kein Fleisch essen und keine Feste feiern.
In England und anderen Teilen Europas war der Freitag über Jahrhunderte hinweg der klassische Tag für öffentliche Hinrichtungen. Man nannte ihn oft den "Hangman’s Day". Das trug natürlich massiv dazu bei, dass das einfache Volk den Freitag mit dem Tod und düsteren Vorzeichen verband.
Der Freitag ist aber nicht für jeden schlecht. In der germanisch-nordischen, vorchristlichen Zeit war der Freitag der Göttin Freya (oder Frigg) gewidmet, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Damals galt er als Glückstag, besonders für Hochzeiten.
Erst mit der Christianisierung wurde versucht, diesen heidnischen „Glückstag“ umzudeuten und ihn als Tag des Leids darzustellen. Im Islam hingegen ist der Freitag der heiligste Tag der Woche, an dem das gemeinschaftliche Gebet stattfindet, also das genaue Gegenteil eines Unglückstages.
Der Aberglaube
Die Kombination aus dem Freitag (religiös belastet) und der 13 (die Chaoszahl) tauchte in der Literatur und in Aufzeichnungen erst im 19. Jahrhundert auf.
Ein paar Beispiele:
Oft wird behauptet, der Aberglaube hätte am Freitag, dem 13. Oktober 1307, begonnen. An diesem Tag ließ der französische König Philipp IV. die Mitglieder des Templerordens in einer Blitzaktion verhaften, foltern und später hinrichten. Aber Historiker sind sich einig, dass damals niemand eine Verbindung zu einem allgemeinen Unglücks-Freitag zog. Diese Theorie wurde erst viel später (vor allem durch Romane wie Sakrileg) populär gemacht.
Die erste schriftliche Erwähnung der Kombination findet sich um 1834 in einer Biografie über den italienischen Komponisten Gioachino Rossini. Dort heißt es, er hielt Freitage für Pechtage und die 13 für eine Unglückszahl und er starb passenderweise an einem Freitag, dem 13..
In den 1880er Jahren gründete der US-Amerikaner William Fowler den "Thirteen Club", um den Aberglauben lächerlich zu machen. Die Mitglieder trafen sich an Freitagen, die auf einen 13. fielen, saßen zu dreizehnt an einem Tisch und verschütteten absichtlich Salz. Ironischerweise bewirkte die mediale Aufmerksamkeit genau das Gegenteil: Die Menschen fingen an, erst recht über die Kombination nachzudenken.
Einer der "Schuldigen" für den modernen Hype ist der Börsenmakler Thomas William Lawson. Er schrieb 1907 den Roman "Friday, the Thirteenth". Darin nutzt ein skrupelloser Makler den Aberglauben aus, um an diesem Tag eine Panik an der Wall Street auszulösen. Das Buch wurde ein Bestseller und verankerte das Datum fest im Kopf der breiten Masse.
Den finalen Ritterschlag zum weltweiten Grusel-Feiertag erhielt das Datum 1980 durch den Horrorfilm "Freitag der 13." mit der Eishockey-Maske tragenden Figur Jason Voorhees. Seitdem ist das Datum untrennbar mit Gänsehaut verbunden.