Grillen - Was ist erlaubt und was solltet ihr auf keinen Fall machen
Kaum scheint das erste Mal die Sonne, geht das Grillen los! Aber was ist eigentlich erlaubt? Wo dürft ihr grillen und wie häufig?
Wie oft darf man in einer Mietwohnung auf dem Balkon grillen?
Das ist nicht genau festgelegt. Bisher gibt es dazu zwei Gerichtsurteile: das Amtsgericht Bonn hat entschieden, dass der Vermieter es nur erlauben sollte, dass 1-Mal pro Monat gegrillt werden darf und das Grillen 48 Stunden vorher angekündigt werden muss. Das Amtsgericht Westerstede urteilte, dass das Grillen bis zu 10-Mal im Jahr im Jahr möglich sein sollte.
Wenn in der Hausordnung oder im Mietvertrag steht, dass Grillen verboten ist, müsst ihr euch allerdings auch daran halten. Oft wird dort aber nur das Grillen auf Holzkohle verboten, dann dürft ihr z. B. einen Gas- oder Elektrogrill benutzen.
Was könnt ihr tun, wenn euer Nachbar ständig grillt?
In dem Fall gilt z. B. das Bürgerliche Gesetzbuch, das sogenannte Nachbarrechtsgesetz. Dieses Gesetz verpflichtet zu gegenseitiger Rücksichtnahme unter Nachbarn. Und Rauch oder Ruß, Geruch und Qualm vom Holzkohlegrill kann schon sehr stören.
Ein teures Beispiel für einen Rechtsstreit zum Thema Grillen gab es im März 2023. Ein 75-jähriger Rentner aus Bad Tölz in Oberbayern verklagte seinen Nachbarn, der fast jeden Tag auf der Terrasse gegrillt hat. Das Landgericht München gab ihm Recht und nun droht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro, wenn er öfter als 4-Mal im Monat grillt.
Es ist wichtig, sich mit den Nachbarn abzusprechen, wann und wie gegrillt wird. Wichtig ist es auch, die Nachtruhe und den Lärmpegel zu beachten: ab 22 Uhr ist Nachtruhe und deshalb solltet ihr eure Lautstärke etwas anpassen. Ein Gericht in Oldenburg hat z. B. entschieden, dass es bis zu vier Mal im Jahr in Ordnung ist bis Mitternacht zu grillen.
Grilllnation Deutschland
- Knapp 90 % der deutschen Haushalte besitzen einen eigenen Grill. Trotz des Booms von Gas- und Elektrogeräten bevorzugen immer noch rund 85 % der Deutschen den klassischen Holzkohlegrill.
- Die Bratwurst ist und bleibt das beliebteste Grillgut der Deutschen, dicht gefolgt von Steaks und Geflügel.
- Die absolute Lieblingsbeilage ist nicht der Nudelsalat, sondern schlichtes Brot, das von 89 % der Deutschen als unverzichtbar genannt wird.
- Grillen ist längst kein reines Sommerphänomen mehr. Etwa 24 % der Deutschen grillen das ganze Jahr über.
- 57 % der deutschen Männer halten sich selbst für exzellente Grillmeister.
- Bei jedem zehnten Mann darf nach getaner Arbeit die Partnerin den Grill schrubben.
- Wenn die Bratwurst doch mal etwas zu dunkel geraten ist, sind die Deutschen pragmatisch. 65 % beißen auch in eine leicht verkohlte Wurst.
- Ketchup (53 %) und Knoblauchsauce (46 %) sind die unangefochtenen Saucen-Favoriten hierzulande.
- Wusstet ihr, dass es in Deutschland eine offizielle Grill-Bundesliga gibt? Die German Barbecue Association (GBA) veranstaltet echte Meisterschaften, bei denen Profis in Kategorien wie „Bratwurst mit Beilage“ oder „Dessert vom Grill“ gegeneinander antreten.
Kleine Geschichte des Grillens
- Wir grillen bereits seit über 300.000 Jahren. Das belegen versteinerte Fleischreste in uralten Feuerstellen.
- Forscher vermuten, dass das Grillen unsere Evolution beschleunigt hat. Da gegartes Fleisch leichter verdaulich ist, brauchte der Urzeitmensch weniger Energie für die Verdauung.
- Bei den Ausgrabungen im vom Vesuv verschütteten Pompeji fand man bereits metallene Grillroste, die verblüffend modern aussehen.
- Unser deutsches Wort „grillen“ stammt direkt vom lateinischen Wort craticulum ab, was übersetzt schlicht „kleiner Rost“ bedeutet.
- Das Rezept für die Thüringer Rostbratwurst wurde bereits im Jahr 1450 schriftlich festgehalten.
Ein paar Grill-Mythen
- Der Mythos, dass scharfes Anbraten „die Poren schließt“, ist biologischer Unsinn. Fleisch hat Muskelfasern, keine Poren. Scharfes Anbraten sorgt lediglich für eine leckere Kruste.
- Für den genialen Geschmack beim Grillen ist die Maillard-Reaktion verantwortlich. Bei Temperaturen ab ca. 140 °C verbinden sich Aminosäuren und Zucker zu völlig neuen, aromatischen Verbindungen.
- Das beliebte Ablöschen mit Bier wirbelt nur Asche auf, die am Fleisch kleben bleibt. Außerdem kühlt es die Kohle ab. Wer Biergeschmack will, sollte das Fleisch lieber vorher darin marinieren.
- Der typische Holzkohlegeschmack entsteht nicht durch die Kohle selbst, sondern wenn Fett und Fleischsaft auf die Glut tropfen und verdampfen.
- Entzieht Salzen vor dem Grillen das Wasser? Ja, aber nur minimal an der Oberfläche. Tatsächlich sorgt das Salzen ca. 40 Minuten vor dem Grillen dafür, dass die Proteine aufbrechen und das Fleisch am Ende saftiger bleibt.
- Wiener, Kasseler oder Bockwurst gehören nicht auf den Grill. Das darin enthaltene Nitritpökelsalz reagiert bei hoher Hitze mit den Proteinen des Fleisches zu krebserregenden Nitrosaminen.
- Wer sein Steak mit der Gabel ansticht, um es zu wenden, verliert wertvollen Fleischsaft. Profis nutzen immer eine Grillzange.
- Aluschalen verhindern zwar, dass Fett in die Glut tropft, aber durch säurehaltige Marinaden (mit Zitrone oder Essig) kann sich gesundheitsschädliches Aluminium lösen und ins Essen übergehen.
- Der TÜV Rheinland fand heraus, dass die Art des Grills (Kohle, Gas, Elektro) nur mickrige 5 % der CO₂-Emissionen des Grillabends ausmacht. Die restlichen 95 % hängen direkt davon ab, was auf dem Rost liegt (Rindfleisch zieht die Bilanz drastisch nach oben).