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Heidelbeeren / Blaubeeren sind lecker und echte Alleskönner

Heidelbeeren (oder Blaubeeren, je nachdem, aus welcher Region ihr kommt) sind echte Alleskönner. Das merkt ihr ganz schnell, wenn ihr euch unsere überraschenden und lustigen Fakten über die blauen Power-Früchte durchlest.

Kulturheidelbeere <-> Waldheidelbeere

  • Die Heidelbeeren im Supermarkt sind fast nie dieselben wie die aus dem Wald. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Arten: Kulturheidelbeeren haben helles Fruchtfleisch. Unsere heimische Waldheidelbeere ist durch und durch dunkelblau-violett.
  • Wenn ihr Kulturheidelbeeren esst, bleibt die Zunge sauber, echte Waldheidelbeeren färben die Zunge blau.
  • Heidelbeeren gehören zur Familie der Heidekrautgewächse. Damit sind sie eng verwandt mit Preiselbeeren, Cranberrys, aber auch mit Azaleen und Rhododendren.
  • Aus rein botanischer Sicht sind Heidelbeeren echte Beeren. Erdbeeren und Himbeeren hingegen sind Sammelsteinfrüchte. Die Heidelbeere ist also „echter“ als die Erdbeere.
  • Was wir als Strauch sehen, ist oft nur ein geringer Teil der Pflanze. Das unterirdische Wurzelgeflecht einer wilden Heidelbeere kann sich über Meter erstrecken.
  • Ein Heidelbeerstrauch im Garten kann problemlos 30 Jahre alt werden. Wilde Sorten bringen es unter optimalen Bedingungen sogar auf bis zu 60 Jahre.

Die Hauptanbaugebiete in Niedersachsen

In Niedersachsen konzentrieren sich die Anbaugebiete vor allem auf die Regionen, in denen die eiszeitlichen Sandböden und ehemaligen Moorflächen die perfekten Bedingungen bieten.

  • Die Lüneburger Heide ist das absolute Herzstück des deutschen Heidelbeeranbaus. Rund um Walsrode, Soltau, Celle und Uelzen reiht sich eine Plantage an die nächste.
  • Östlich und westlich der Landeshauptstadt (z. B. rund um Neustadt am Rübenberge, Burgwedel und Wedemark) gibt es riesige Anbauflächen.
  • Auch im westlichen Niedersachsen, insbesondere rund um Vechta (z. B. Langförden) und im Landkreis Diepholz, boomt der Anbau auf den dortigen Moor- und Heideböden.

Heidelbeeren sind sehr gesund

  • Heidelbeeren enthalten im Vergleich zu anderen Obst- und Gemüsesorten die höchste Konzentration an Antioxidantien. Diese können das Risiko für chronische Krankheiten und Zellschäden senken.
  • Schon im Zweiten Weltkrieg hieß es, dass Piloten Heidelbeeren aßen, um ihre Nachtsicht zu verbessern. Auch heute schätzen Forscher die Anthocyane für den Schutz der Gefäße im Auge. Je dunkler die Beere, desto mehr davon stecken drin.
  • Nur eine Tasse Heidelbeeren pro Tag reicht aus, um die Gefäßfunktion nachweislich zu verbessern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.
  • Trotz ihrer Süße haben Heidelbeeren einen niedrigen glykämischen Index. Sie verbessern sogar die Insulinsensitivität, was super für Diabetiker ist.
  • Heidelbeeren enthalten relativ viel Vitamin K, das die Blutgerinnung beeinflusst. Wer starke Blutverdünner nimmt, sollte die Beeren nicht eimerweise essen.
  • Ähnlich wie Cranberrys enthalten Heidelbeeren Stoffe, die verhindern, dass sich Bakterien an den Schleimhäuten (z. B. in der Blase) festsetzen.
  • Getrocknete Heidelbeeren sind ein uraltes Hausmittel gegen Durchfall, weil die enthaltenen Gerbstoffe den Darm beruhigen. Frische Heidelbeeren in großen Mengen bewirken allerdings das Gegenteil.

Gut zu wissen

  • Rein physikalisch gesehen gibt es in Heidelbeeren kein blaues Pigment. Die Farbe entsteht durch die Lichtbrechung an den Wachskristallen der Schale über dem eigentlich tiefroten Saft.
  • Frische Heidelbeeren haben einen weißlich-grauen, wachsartigen Schleier. Das ist kein Staub oder Pestizid, sondern der „Reif“. Er schützt die Beere vor Insekten und Feuchtigkeitsverlust.
  • Wenn du Heidelbeeren pflückst, die noch leicht rötlich oder lila sind, reifen sie bei Zimmertemperatur noch etwas nach und werden süßer.
  • Heidelbeeren schmecken direkt aus dem Kühlschrank nach fast nichts. Lasst sie vor dem Essen eine halbe Stunde warm werden, dann entfaltet sich das volle Aroma.
  • Wenn ihr Heidelbeeren einfrieren wollt, bitte nicht vorher abwaschen. Durch das Waschen geht der schützende Wachsreif verloren, und die Beeren verklumpen im Gefrierbeutel zu einem einzigen Eisklumpen.
  • Wenn ihr im Wald Heidelbeeren sammelt, fürchten manche von euch sicher den Fuchsbandwurm. Das Risiko ist zwar gering, aber sicher ist sicher: Die Eier sterben erst ab einer Hitze von 70 °C beim Einkochen. Einfrieren hilft dagegen nicht.
  • Ein einziger, gut gepflegter Kulturheidelbeerstrauch kann pro Saison bis zu 6.000 Beeren abwerfen.
  • Weil die Nachfrage so gigantisch ist, wandert die Ernte um den Globus: Wenn bei uns im September die Saison endet, startet sie auf der Südhalbkugel (Chile, Peru, Südafrika) richtig durch.
  • Wilde Waldheidelbeeren und Pilze speichern aufgrund des Waldbodens teils heute noch erhöhte radioaktive Werte aus dem Reaktorunglück in Tschernobyl von 1986. Kulturheidelbeeren vom Feld betrifft das aber nicht.
  • Wilde Blaubeeren überleben Waldbrände: Wenn oberirdisch alles verbrennt, überlebt ihr unterirdisches Rhizom Temperaturen von bis zu 550 °C.
  • Manche wilden Sorten überstehen problemlos klirrende Kälte von bis zu -30 °C, solange sie im Winter von einer schützenden Schneedecke bedeckt sind.
  • In den Alpen gedeihen wilde Heidelbeeren problemlos auf Höhen von bis zu 2.400 Metern über dem Meeresspiegel.

Geschichte und Mythen

  • In Legenden der indigenen Völker Amerikas hieß es, der „Große Geist“ habe die Heidelbeeren während einer großen Hungersnot geschickt, um Kinder zu retten.
  • Die frühen europäischen Siedler in Amerika kochten Heidelbeeren in Milch auf, um daraus graue Wandfarbe herzustellen.
  • Die religiöse Gemeinschaft der Shaker verfeinerte dieses Rezept mit Indigo und Salbeiblüten, um ihr ikonisches, traditionelles Blau für Möbel zu mischen.
  • Während die Römer sie eher als Färbemittel für Sklavenkleidung nutzten, setzten die Griechen Heidelbeeren bereits gezielt als Heilmittel bei Magenleiden ein.
  • Die berühmte Universalgelehrte Hildegard von Bingen empfahl im Mittelalter Heidelbeeren als Umschläge zur Wundheilung.
  • Kulturheidelbeeren gibt es erst seit gut 100 Jahren, vorher dachte man, man könne Heidelbeeren nicht gezielt anbauen. 1911 schlossen sich die Farmerstochter Elizabeth White und der Botaniker Frederick Coville in New Jersey zusammen. Sie selektierten die besten Wildpflanzen und verkauften 1916 die allererste kommerzielle Kultur-Ernte.