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Ihr seid Linkshänder? Dann haben wir hier ein paar spannende Geschichten

Jedes Jahr am 13. August wird weltweit der offizielle Weltlinkshändertag gefeiert. Ein guter Anlass, um mal mit ein paar Mythen aufzuräumen und ein paar berühmte Linkshänder vorzustellen und ihre Geschichten zu erzählen.


Ein bisschen Biologie

  • Händigkeit ist nur zu etwa 25 % genetisch bedingt, der Rest entsteht durch frühkindliche Faktoren im Mutterleib.
  • Rund 10 bis 12 Prozent der Weltbevölkerung sind Linkshänder.
  • Etwa 9 Prozent der Menschen sind sogenannte „Beidhänder“ oder nutzen je nach Aufgabe mal links und mal rechts.
  • Unter Männern gibt es statistisch gesehen etwas mehr Linkshänder als unter Frauen.
  • Unter Zwillingen und Drillingen findet man überdurchschnittlich oft Linkshänder.
  • Da das Gehirn gekreuzt arbeitet, wird die linke Hand hauptsächlich von der rechten Hirnhälfte gesteuert.

Spannend...

  • Im antiken Rom wurden linkshändige Sklaven manchmal billiger verkauft, weil man sie für „beschädigt“ oder weniger tauglich hielt.
  • Trotz des Vorurteils nutzten Römer linkshändige Sklaven gezielt paarweise mit Rechtshändern im Steinbruch.
  • Mittelalterliche Wendeltreppen in Burgen wurden oft im Uhrzeigersinn gebaut, damit Rechtshänder-Verteidiger nach unten Schwerthiebe führen konnten, ein Nachteil für linkshändige Angreifer.
  • Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Kinder in Schulen oft streng dazu gezwungen, mit rechts zu schreiben. Auch der britische König George VI. musste als Kind seine Händigkeit umschulen. Auch seine Tochter Queen Elizabeth II. war und sein Urenkel Prinz William ist Linkshänder.
  • Vier der fünf ursprünglichen Designer des ersten Apple Macintosh Computers waren Linkshänder.
  • Auf Standard-QWERTY-Tastaturen tippt man mit der linken Hand mehr Wörter als mit der rechten, da häufig benutzte Buchstaben wie A, S, E, R, T links liegen.
  • Ein Drittel der US-Präsidenten der jüngeren Geschichte (Barack Obama, Bill Clinton, George H.W. Bush und Gerald Ford) schrieben mit links.
  • Leonardo da Vinci, Pablo Picasso und Michelangelo waren allesamt Linkshänder.
  • Tennisspieler Rafael Nadal ist eigentlich Rechtshänder, wurde aber von seinem Onkel und Trainer bewusst darauf trainiert, mit links Tennis zu spielen.
  • Kater sind oft eher „Linkspfoter“, während weibliche Katzen eher zu rechts tendieren.
  • Helmkakadus sind 100 % Linkshänder und nutzen nachweislich den linken Fuß zum Festhalten von Nahrung.

Linkshänder-Geschichten

Dass auf den Straßen Großbritanniens Linksverkehr herrscht, haben die Briten womöglich dem Franzosen Napoleon Bonaparte zu verdanken. Früher ritten Ritter auf der rechten Straßenseite, um die rechte Schwerthand dem entgegenkommenden Verkehr zuzuwenden. Napoleon kehrte als Linkshänder dieses Prinzip in Frankreich und den eroberten Gebieten einfach um, um seine eigene Schwerthand einsatzbereit zu haben. Die Briten weigerten sich stur, Napoleons Anordnung zu übernehmen, und blieben aus Protest beim Linksverkehr.

Kurt Cobain, der Frontmann von Nirvana, war Linkshänder. Da es in den späten 80er-Jahren in normalen Musikgeschäften kaum erschwingliche Linkshänder-Gitarren gab, kaufte Cobain billige Rechtshänder-Modelle auf Flohmärkten und bespannte die Gitarren spiegelverkehrt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Spielen von Polo mit der linken Hand offiziell verboten. Wenn zwei Spieler auf ihren Pferden im Galopp aufeinanderrasten und einer den Schläger links, der andere rechts hielt, kam es regelmäßig zu frontalen Kollisionen. Die Regel lautet bis heute: Alle müssen den Schläger rechts halten. Linkshänder müssen ihr Pferd also quasi "falsch herum" durch die Gegend steuern.

Phil Collins ist einer der berühmtesten linkshändigen Schlagzeuger der Welt. Sein Schlagzeug-Set ist komplett spiegelverkehrt aufgebaut. Wenn er auf Tour war und andere Musiker beim Soundcheck spontan auf Collins’ Drumkit spielen wollten, gab es regelmäßig Verzweiflungsausbrüche, weil schlichtweg alles am falschen Platz stand.

Gleich an seinem ersten Tag im Oval Office unterzeichnete Barack Obama eine Reihe von Dekreten. Als die Fotos davon um die Welt gingen, schlug das Netz Alarm: Das Bild sei gefälscht oder spiegelverkehrt, da Obama den Stift so seltsam angewinkelt hielt und das Geschriebene mit der Hand verdeckte. Tatsächlich nutzte Obama nur den typischen „Haken-Griff“ vieler Linkshänder, um die Tinte auf den Dokumenten nicht zu verwischen.

Marilyn Monroe war auch Linkshänderin. Allerdings brachten die Filmstudios der 1950er-Jahre sie dazu, bei Nahaufnahmen in Filmen, z. B. wenn ihre Figur einen Brief schrieb, die rechte Hand zu benutzen. Man hielt die Bewegung der linken Hand im damaligen Hollywood schlicht für „nicht elegant genug“ .

Die Hollywood-Schauspielerin Scarlett Johansson gestand in Interviews, dass sie bei festlichen Filmszenen regelmäßig Regisseure in die Verzweiflung treibt. Sobald Besteck im Spiel ist, vertauscht sie als Linkshänderin Messer und Gabel. Da Filmaufnahmen aus verschiedenen Winkeln gedreht werden, vergisst sie beim Anschlussschnitt oft, in welcher Hand sie z. B. die Gabel hielt.

Leonardo da Vinci schrieb seine Notizen fast ausschließlich in Spiegelschrift von rechts nach links. Über Jahrhunderte hielten Historiker das für eine hochkomplexe Geheimschrift, um seine Erfindungen vor Papst und Konkurrenten zu schützen. Neurologische Analysen zeigten später eine viel pragmatischere Ursache: Als Linkshänder wollte er schlichtweg verhindern, dass seine Hand die frische Tinte auf dem Papier verwischt.


Achtet mal drauf

  • Standard-Dosenöffner sind für Rechtshänder gebaut und verlangen von Linkshändern eine verdrehte Handhaltung.
  • Viele klassische Sparschäler sind nur auf einer Seite geschliffen. Mit links schält man damit buchstäblich ins Leere.
  • Korkenzieher werden im Uhrzeigersinn gedreht. Linkshänder müssen die Hand unnatürlich nach innen eindrehen, um den Korken herauszudrehen.
  • Bei Messern befindet sich der Wellenschliff meist auf der rechten Seite der Klinge. Wer mit links schneidet, drückt das Messer schräg ab, wodurch Scheiben oben dünn und unten dick werden.
  • Der Ziffernblock auf Computer-Tastaturen liegt standardmäßig rechts. Wer mit links schreibt oder zeichnet, muss für Eingaben ständig übergreifen.
  • Beim Schreiben von links nach rechts fährt die linke Hand direkt über das frisch Geschriebene, was zu verschmierten Texten führt.
  • In Behörden oder Banken sind Stifte oft an der rechten Seite des Schalters mit einer kurzen Kette befestigt, die kaum bis nach links reicht.
  • In vielen Universitäten gibt es Hörsaal-Stühle mit integrierter Schreibfläche, fast immer nur auf der rechten Seite.
  • Ordner-Spiralen bei Ringbüchern drücken beim Schreiben auf der linken Seite genau in die Handfläche.
  • Rechtshandscheren drücken die Klingen bei Benutzung zusammen. Nutzt man sie mit links, werden die Klingen auseinandergedrückt .
  • Bei vielen Elektrowerkzeugen sind Sicherheitsknöpfe, Schutzabdeckungen und der Späneauswurf für die rechte Hand konstruiert. Bei linker Nutzung fliegen Funken oder Sägespäne direkt ins Gesicht oder zum Körper.
  • Bei Rasenmähern und Kettensägen liegt der Startseilzug fast immer rechts. Zudem sind Sicherheits-Gasschalter oft nur mit dem rechten Daumen gut zu erreichen.
  • Die Kartenschlitze an Geldautomaten, Fahrkartenautomaten oder U-Bahn-Sperren befinden sich fast ausnahmslos auf der rechten Seite.
  • Die Mengenangaben auf Messbechern zeigen oft nur nach innen, wenn man sie mit der linken Hand am Griff hält.
  • Abdeckungen von Reißverschlüssen sind standardmäßig für Rechtshänder genäht.
  • Bedruckte Motivtassen zeigen das Bild beim Trinken mit der linken Hand nach außen.

Zum Glück gibt es mittlerweile spezialisierte (Online-)Shops, die exklusive Produkte für Linkshänder vertreiben.