Ihr wollt mitreden? Alles Wichtige über den Eurovision Song Contest
Seit 70 Jahren findet jedes Jahr der Eurovision Song Contest statt und versammelt jedes Mal ein Millionenpublikum vor den Fernsehern oder beim Public Viewing. Aber wie schlecht hat Deutschland bisher abgeschnitten und warum sind Länder wie Israel und Australien eigentlich dabei?
Das und viel mehr Berührendes und Lustiges haben wir euch hier zusammengestellt. Viel Spaß beim Weitererzählen.
Spannendes zum Weitererzählen
- Der ESC ist laut Guinness-Buch der Rekorde der am längsten laufende jährliche TV-Musikwettbewerb der Welt.
- Die Kosten für die Ausrichtung liegen meist zwischen 10 und 30 Millionen Euro
- 2024 schalteten weltweit rund 163 Millionen Menschen ein: Mehr als beim Super Bowl!
- In 70 Jahren wurde der Contest nur ein einziges Mal abgesagt: 2020 wegen der Corona-Pandemie.
- Deutschland hat an fast jedem ESC teilgenommen (über 68 Mal), öfter als jedes andere Land.
- Nur zweimal konnte Deutschland gewinnen: 1982 mit Nicole ("Ein bisschen Frieden") und 2010 mit Lena ("Satellite").
- Die Rekordsieger Irland und Schweden teilen sich mit jeweils 7 Siegen den Thron.
- Irland ist das einzige Land, das drei Jahre hintereinander gewonnen hat (1992, 1993, 1994).
- Die Schwedin Loreen ist die einzige Frau, die den Contest zweimal gewonnen hat (2012 und 2023). Bei den Männern schaffte das Johnny Logan (1980, 1987).
- 1988 gewann Céline Dion für die Schweiz mit nur einem einzigen Punkt Vorsprung vor dem Vereinigten Königreich.
- Den Rekord für die meisten Punkte hält Salvador Sobral (Portugal), der 2017 unglaubliche 758 Punkte abräumte. Portugal war 53 Jahre dabei, bis endlich der erste Sieg eingefahren wurde.
- Kein Song darf länger als 3 Minuten sein.
- 2015 stellte Finnland mit der Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät einen Rekord auf: Ihr Song dauerte nur 1 Minute und 27 Sekunden.
- Jedes Wort muss live gesungen werden. Playback für den Gesang ist absolut tabu.
- Der portugiesische Beitrag "E depois do adeus" diente im Radio als geheimes Startsignal für den Militärputsch 1974 gegen die Diktatur in Portugal. Wahrscheinlich der einzige ESC-Song, der jemals eine echte Revolution auslöste.
- Seit 1994 ist es keinem Land mehr gelungen, den Titel im eigenen Land zu verteidigen.
- Die britische Jury gab ABBA 1974 für "Waterloo" 0 Punkte.
- 2012 schickte Russland eine Gruppe von Großmüttern "Buranowskije Babuschki", die auf der Bühne live Piroggen in einem Ofen backten, während sie einen Disco-Beat besangen. Sie wurden sensationelle Zweite
- Irland schickte 2008 tatsächlich eine Handpuppe (einen Truthahn in einem Einkaufswagen). Der Truthahn wurde ausgebuht und schied im Halbfinale aus.
Besondere Momente
- Das Filmmaterial des ersten ESC von 1956 ist fast vollständig verschollen. Es existieren nur Tonaufnahmen und ein paar Ausschnitte der Siegerin Lys Assia.
- 1957 sorgte das dänische Duo Birthe Wilke und Gustav Winckler für einen Skandal, weil ihr Abschiedskuss ganze 11 Sekunden dauerte. Das war damals viel zu lang für das brave Fernsehen.
- 1967 war der ESC eine der ersten Sendungen, die live via Satellit in Länder wie Tunesien, China und Brasilien übertragen wurde.
- 1968 wird der ESC zum ersten Mal in Farbe ausgestrahlt, Austragungsort ist die Londoner Royal Albert Hall.
- 1969 landen vier Länder punktgleich auf Platz 1. Es werden alle vier zu Siegern erklärt.
- 1973 war die luxemburgische Siegerin Anne-Marie David nach ihrem Sieg so aufgeregt, dass sie bei der Wiederholung des Songs das Mikrofon falsch herum hielt. Man hörte sie kaum, aber sie strahlte.
- In den 70ern fing man an, Feuerwerk auf der Bühne zu nutzen. Heute verbraucht ein ESC-Finale so viel Pyrotechnik wie ein mittelgroßer Ort an Silvester.
- 1981 sorgt die britische Band Bucks Fizz für Schnappatmung, als die Männer den Frauen während des Songs die Röcke abrissen (darunter kamen kürzere Röcke zum Vorschein). Das gilt als Geburtsstunde des "Reveal"-Kostüms beim ESC.
- Dana International gewinnt 1998 für Israel als erste transsexuelle Künstlerin und setzt ein weltweit beachtetes Zeichen für die LGBTQ+-Community.
- 2010 gewinnt Deutschland mit Lena Meyer-Landrut („Satellite“) nach 28 Jahren zum zweiten Mal den Titel.
- Während des spanischen Auftritts stürmte 2010 der berühmte Flitzer "Jimmy Jump" die Bühne und tanzte in der Choreografie mit. Spanien durfte am Ende der Show noch einmal auftreten.
- 2013 stand Emil Ramsauer für die Schweiz auf der Bühne. Er war 95 Jahre alt und spielte Kontrabass.
- 2014 gewinnt Conchita Wurst, die „bärtige Diva“ für Österreich und wird zur globalen Ikone für Toleranz und Freiheit.
- 2022 gewinnt das Kalush Orchestra aus der Ukraine mit „Stefania“ mit einem Rekord-Ergebnis im Publikums-Voting (439 von 468 möglichen Punkten). Der Song, der ursprünglich der Mutter des Sängers gewidmet war, wurde nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zur Hymne des Widerstands und der Hoffnung.
Geschichte
- Der erste „Grand Prix de la Chanson“ findet 1956 in Lugano mit nur sieben Teilnehmerländern statt. Jedes Land darf zwei Lieder schicken. Expertenjurys vergeben die Punkte. Im ersten Jahr durften die Juroren sogar für ihr eigenes Land stimmen.
- Seit 1958 darf das Gewinnerland den Wettbewerb im Folgejahr austragen.
- 1975 wird das 12-Punkte-System eingeführt.
- Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs werden viele osteuropäische Länder aufgenommen und deshalb wird 1993 eine Qualifikations-Vorrunde eingeführt.
- 1997 wird das Televoting eingeführt: In fünf Testländern dürfen erstmals die Zuschauer per Telefon abstimmen.
- 1999 wird das Live-Orchester abgeschafft. Seitdem kommt die Musik komplett vom Backing-Track, nur der Gesang ist live.
- Bis 1999 mussten Länder in ihrer Landessprache singen. Seit der Freigabe singen fast alle auf Englisch.
- 2000 erhalten die größten Geldgeber (Deutschland, Frankreich, UK, Spanien und Italien) einen garantierten Startplatz im Finale, um die finanzielle Stabilität zu sichern.
- Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl gibt es seit 2004 ein Halbfinale (ab 2008 sogar zwei), um sich zu qualifizieren.
- Seit 2016 werden die Punkte von Fachjurys und Zuschauern getrennt verkündet.
- Seit 2023 dürfen auch Menschen aus Ländern abstimmen, die gar nicht am ESC teilnehmen (z. B. aus den USA oder Brasilien). Ihre Stimmen werden als ein "Land" zusammengefasst.
- 70 Jahre ESC. Der Wettbewerb feiert 2026 sein großes Jubiläum in Wien und blickt auf sieben Jahrzehnte Musikgeschichte und europäische Völkerverständigung zurück.
Die Platzierungen von Deutschland 🫣
Platz 1:
- 1982 Nicole „Ein bisschen Frieden“
- 2010 Lena „Satellite“
Platz 2:
- 1980 Katja Ebstein „Theater“
- 1981 Lena Valaitis „Johnny Blue“
- 1985 Wind „Für alle“
- 1987 Wind „Lass die Sonne in dein Herz“
Platz 3:
- 1970 Katja Ebstein „Wunder gibt es immer wieder“
- 1971 Katja Ebstein „Diese Welt“
- 1994 Mekado „Wir geben ’ne Party“
- 1999 Sürpriz „Reise nach Jerusalem – Kudüs’e seyahat“
TOP 10:
- 1960: Wyn Hoop – „Bonne nuit ma chérie“ (4.)
- 2018: Michael Schulte – „You Let Me Walk Alone“ (4.)
- 2000: Stefan Raab – „Wadde hadde dudde da?“ (5.)
- 1959: Alice & Ellen Kessler – „Heute Abend wollen wir tanzen geh'n“ (6.)
- 1998: Guildo Horn – „Guildo hat euch lieb!“ (7.)
- 2012: Roman Lob – „Standing Still“ (8.)
- 2001: Michelle – „Wer Liebe lebt“ (8.)
- 2004: Max Mutzke – „Can’t Wait Until Tonight“ (8.)
- 2011: Lena – „Taken by a Stranger“ (10.)
Letzter Platz:
- 1974: Cindy & Bert – „Die Sommermelodie“
- 1995: Stone & Stone – „Verliebt in Dich“
- 2005: Gracia – „Run & Hide“
- 2015: Ann Sophie – „Black Smoke“
- 2016: Jamie-Lee – „Ghost“
- 2022: Malik Harris – „Rockstars“
- 2023: Lord of the Lost – „Blood & Glitter“
Welche Länder sind seit wann dabei?
Das Teilnehmerfeld des ESC hat sich über die Jahrzehnte massiv gewandelt, von einem exklusiven Club aus sieben Gründungsmitgliedern hin zu einem globalen Event mit über 40 Nationen. Auch Länder wie Israel, Armenien, Aserbaidschan und sogar Australien dürfen teilnehmen, wenn sie Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sind.
- 1956: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Schweiz
- 1957: Österreich, Dänemark, Vereinigtes Königreich
- 1958: Schweden
- 1959: Monaco
- 1960: Norwegen
- 1961: Finnland, Spanien, Jugoslawien
- 1964: Portugal
- 1965: Irland
- 1971: Malta
- 1973: Israel
- 1974: Griechenland
- 1975: Türkei
- 1980: Marokko (Sie belegten den vorletzten Platz und kamen nie wieder.)
- 1981: Zypern
- 1986: Island
- 1993: Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien
- 1994: Estland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Ungarn
- 1998: Nordmazedonien
- 2000: Lettland
- 2003: Ukraine
- 2004: Albanien, Andorra, Belarus
- 2005: Bulgarien, Moldau
- 2006: Armenien
- 2007: Georgien, Tschechien, Montenegro, Serbien
- 2008: Aserbaidschan, San Marino
- 2015: Australien
Die erfolgreichsten Songs
- Nach klassischen Verkaufszahlen bleibt „Waterloo“ von ABBA ungeschlagen. Es verkaufte sich weltweit über 6 Millionen Mal als physische Single.
- Der Niederländer Duncan Laurence ist mit „Arcade“ mit über 1,1 Milliarden Streams auf Spotify der meistgehörte ESC-Song aller Zeiten. Er ging zwei Jahre nach seinem Sieg auf TikTok viral und erreichte sogar Platinstatus in den USA .
- Rosa Linn belegte für 2022 Armenien nur den 20. Platz, aber der Song wurde durch soziale Medien zum Welthit. Mittlerweile hat „Snap“ die Marke von 1 Milliarde Streams ebenfalls geknackt und ist in den USA sowie in Europa mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet worden.
- „Nel blu, dipinto di blu“ (Volare) von Domenico Modugno (1958) ist einer der meistgecoverten Songs der Welt. Er hielt sich 5 Wochen auf Platz 1 der US-Charts und verkaufte schätzungsweise 22 Millionen Kopien (über alle Versionen und Interpreten hinweg).
- „Euphoria“ von Loreen (2012) ist mit über 2 Millionen verkauften Einheiten und Spitzenplätzen in fast allen europäischen Charts einer der erfolgreichsten ESC-Titel des 21. Jahrhunderts.
- Der Song „Zitti e buoni“ katapultierte Måneskin 2021 in den globalen Rockstar-Olymp. Er erreichte über 450 Millionen Streams und ebnete den Weg für ihre Welttourneen.