Neue Studie: Gibt es eine Frühjahrsmüdigkeit überhaupt?
Na, kommt ihr auch gerade so schwer aus dem Bett? Viele klagen ja jedes Jahr wieder über Frühjahrsmüdigkeit.
Empirisch belegen lässt sich Frühjahrsmüdigkeit allerdings nicht, wenn man einer neuen Studie glauben kann, die 2026 im Fachjournal Journal of Sleep Research erschienen ist. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Frühjahrsmüdigkeit nicht biologisch nachweisbar bzw. messbar ist.
Grundlage ihrer Untersuchung ist eine Online-Befragung, die ein Jahr lang alle sechs Wochen an 418 Menschen durchgeführt wurde. Gefragt wurde, wie erschöpft sie sich in den vergangenen vier Wochen gefühlt hätten, wie schläfrig sie während des Tages waren, und wie ihre Schlafqualität war.
Dabei kam heraus, dass die Zahl der Sonnenstunden der einzelnen Monate oder Jahreszeiten keinen Unterschied macht. Es gab weder Hinweise auf vermehrte Erschöpfung noch schlechtere Schlafqualität im Frühling.
Trotzdem fühlen sich ja viele Menschen im Frühjahr abgeschlagen.
Warum sind wir dann gerade im Frühling so müde?
Die Forschenden gehen davon aus, dass Frühjahrsmüdigkeit, die es übrigens nur in Deutschland gibt, ein kulturell geprägtes Phänomen ist. Viele achten im Frühling stärker darauf, wie müde sie sich fühlen, weil sie eine Frühjahrsmüdigkeit "erwarten". Das nennt man Nocebo-Effekt: Die Bestätigung einer negativen Erwartung.
Es kann auch sein, dass wir im Frühling unter "Druck" stehen, das gute Wetter zu nutzen. Wenn wir dann doch zu faul sind, schieben wir es auf die Frühjahrsmüdigkeit.
Einen Überschuss des "Nachthormons" Melatonin im Winter gibt es jedenfalls nicht. Melatonin wird im 24-Stunden-Rhythmus gebildet und auch abgebaut.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn ihr länger als die zwei bis vier Wochen am Stück müde seid und das nicht nur im Frühjahr, solltet ihr zum Arzt gehen. Denn auch Depressionen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen können sich ähnlich zeigen.