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Sonnenfinsternis: Göttliches Zeichen oder drohender Weltuntergang?

Am Mittwoch, dem 12. August 2026, findet eine totale Sonnenfinsternis statt.

  • Es ist die erste totale SoFi in Kontinentaleuropa seit 1999.
  • Die Finsternis beginnt in der Beringsee, verfehlt den Nordpol um nur etwa 100 km und zieht über Grönland, Island und Spanien bis zu den Balearen.
  • Den Höhepunkt erreicht die Totalität im Nordatlantik westlich von Island, dort dauert die totale Verfinsterung exakt 2 Minuten und 18 Sekunden.
  • Kurz vor Sonnenuntergang endet der Schattenpfad südlich der Balearen bzw. östlich im Mittelmeer.
  • In Deutschland wird die Sonne nicht ganz verdeckt, aber je nach Region zu 84 bis über 90 Prozent.
  • Die Finsternis beginnt in Deutschland zwischen 19:11 Uhr (im Westen) und 19:24 Uhr (im Osten) MESZ.
  • Der Höhepunkt liegt zwischen 20:05 und 20:17 Uhr MESZ, wenn die Sonne nur noch 1 bis 7 Grad über dem Horizont steht.
  • Ein ähnlich hoher Bedeckungsgrad wird in Deutschland erst wieder im Juli 2075 erreicht

Jahrtausendelang versetzte das plötzliche Erlöschen der Sonne ganze Völker in Angst und Schrecken. Wir nehmen die Mythen unter die Lupe und schauen uns außerdem an, was genau mit der Tier- und Pflanzenwelt während einer Sonnenfinsternis passiert.

Aberglaube

  • Die Menschen in Europa glaubten, Gott verfinstere die Sonne, um die Menschheit für ihre Sünden zu bestrafen. Eine Finsternis wurde fast immer als Omen für bevorstehende Katastrophen gedeutet wie z. B. Kriege, Hungersnöte, Seuchen (wie die Pest) oder den Tod eines Herrschers. Selbst als die Bewegung der Himmelskörper bekannt war, galt es dennoch als Wille Gottes, dass die Finsternis zu genau diesem Zeitpunkt eintraf.
  • Die Batammaliba in Afrika glaubten, dass Sonne und Mond miteinander kämpften, weil die Menschen auf der Erde zu viel stritten und Hass säten. Eine Finsternis war also kein Omen des Schreckens, sondern eine Mahnung.
  • Nach der ägyptischen Mythologie reist Ra tagsüber mit seiner Himmelsbarke über den Himmel und nachts durch die Unterwelt. Eine Sonnenfinsternis war das Zeichen dafür, dass der riesige Chaos-Dämon Apophis Ra am helllichten Tag aufgelauert hatte und versuchte, die Sonnenbarke zu verschlingen. Der Pharao galt als Stellvertreter Ras auf Erden. Wenn sich die Sonne verdunkelte, lag es in seiner Verantwortung, durch Gebote und Opfergaben das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen.
  • Im alten China glaubte man, ein riesiger Drache verschlinge die Sonne. Um das Ungeheuer zu vertreiben, schlug das Volk wild auf Trommeln und Töpfe. Auch heute noch nennt man die Schnittpunkte der Mond- und Erdbahn in der Astronomie die "Drachenpunkte".
  • Bei den Fon im heutigen Benin glaubte man nicht an einen Angriff, sondern an ein göttliches Treffen. Der männliche Sonnengott Liza und die weibliche Mondgöttin Mawu kamen sich während einer Finsternis nah, um sich zu umarmen und Liebe zu machen. Die Dunkelheit war schlicht das schützende Tuch über diesem intimen Moment der Götter.
  • In der Sprache der Maya bedeutet die Sonnenfinsternis wörtlich „wenn die Sonne gefressen wird“. Sie glaubten, dass sich die Sonnengottheit und die Mondgöttin in einem Kampf befanden oder dass dämonische Gestalten versuchen, die Sonne zu verschlingen.
  • Die Inka glaubten, dass ein riesiger Himmels-Puma oder eine Schlange versuchte, den Sonnengot Inti zu verschlingen. Das Erlöschen der Sonne bedeutete, dass der Gott litt, blutete oder im Sterben lag.
  • In der nordischen Mythologie war die Sonne (die Göttin Sól) ständig auf der Flucht. Die Wikinger glaubten, dass zwei gigantische, dämonische Wölfe am Himmel unterwegs waren: Sköll jagte die Sonne, während sein Bruder Hati dem Mond nachstellte. Wenn Sköll der Sonnengöttin zu nahe kam und sie kurzzeitig schnappte oder verschluckte, verdunkelte sich der Himmel. Um die Katastrophe abzuwehren, machten die Menschen auf der Erde so viel Lärm wie möglich. Das Ziel war es, den Wolf Sköll so sehr zu erschrecken, dass er die Sonne wieder ausspuckte und flüchtete.
  • In vielen alten Kulturen galt das Licht einer Eklipse als verseucht. Selbst im Mittelalter glaubte man noch, dass während einer Finsternis gekochtes Essen augenblicklich schlecht oder giftig werde.
  • In der babylonischen Kultur galt eine Sonnenfinsternis als so schlechtes Omen für Herrscher, dass für die Zeit der Finsternis ein „Ersatzkönig“ eingesetzt wurde, der evtl. den Zorn der Götter abbekommen sollte.
  • In vielen modernen Mythen hält sich hartnäckig der Glaube, Schwangere sollten bei einer Finsternis nicht nach draußen gehen, da das Baby sonst Schielen oder Muttermale davon trage (medizinisch völlig unbegründet!).

Gut zu wissen

  • Niemals mit bloßem Auge in die Sonne schauen! Eine normale Sonnenbrille reicht keinesfalls aus – man benötigt spezielle Folienbrillen mit dem Faktor ISO 12312-2, um Netzhautschäden zu vermeiden.
  • Wer eine Eklipse mit dem Handy fotografieren will, riskiert, den Kamerasensor zu verbrennen – auch Smartphones brauchen bei direkter Ausrichtung einen Sonnenfilter!
  • Wer keine Finsternisbrille hat, kann theoretisch eine Schweißerbrille ab Schutzstufe 14 benutzen.
  • Es gibt eine ganze Subkultur von Menschen, die sich „Umbraphile“ (Schattenliebhaber) nennen und ihr ganzes Geld dafür ausgeben, Finsternissen auf der ganzen Welt hinterherzureisen.
  • Die berühmte Relativitätstheorie von Albert Einstein wurde erst 1919 während einer totalen Sonnenfinsternis bewiesen. Sir Arthur Eddington wies damals nach, dass die Gravitation der Sonne das Licht vorbeiziehender Sterne krümmt.
  • Das Element Helium wurde 1868 zuerst in der Atmosphäre der Sonne während einer Finsternis entdeckt und erst 27 Jahre später fand man es auch auf der Erde
  • 1973 flog die Concorde 001 dem Mondschatten hinterher. Die Wissenschaftler an Bord erlebten dadurch eine Rekord-Totalität von unglaublichen 74 Minuten.
  • Nach der großen totalen Sonnenfinsternis in Europa im August 1999 gab es neun Monate später in einigen Regionen einen spürbaren Anstieg der Geburtenraten.
  • Historische Aufzeichnungen von Sonnenfinsternissen aus dem antiken Babylon helfen Forschern bis heute, zu berechnen, wie stark sich die Erddrehung über Jahrtausende verlangsamt hat.
  • Die Finsternis ermöglichte den Wissenschaftlern erstmals die Beobachtung von gewaltigen Protuberanzen (Gasausbrüchen) auf der Sonnenoberfläche

Auswirkungen in der Natur

  • Da die Ionosphäre der Erde von Sonnenstrahlung aufgeladen wird, verändert sich die Ausbreitung von Kurzwellen-Radiosignalen während einer Eklipse messbar.
  • Kurz vor Beginn der Totalität flaut der Wind oft ab und dreht manchmal die Richtung. Dieses Phänomen entsteht durch die rasche Abkühlung der Luft im Schattengürtel.
  • Schaut man während einer partiellen Finsternis unter einen schattigen Laubbaum, wirken die Lücken zwischen den Blättern wie eine Cameran obscura: Auf dem Boden sieht man Hunderte kleine Sichel-Sonne-Schatten.
  • Während einer totalen Sonnenfinsternis kann die Lufttemperatur um 5 bis 10 Grad Celsius innerhalb weniger Minuten absinken
  • Bienen brechen bei einsetzender Totalität ihren Sammelflug abrupt ab und kehren panisch in ihren Stock zurück.
  • Wenn es plötzlich dunkel wird, stimmen Vögel oft ihr Abendlied an und ziehen sich ins Nest zurück.
  • Verhaltensforscher beobachteten bei Eklipsen, dass manche Schildkrötenarten während der Totalität plötzlich anfangen, sich intensiv zu paaren.
  • Da die Temperatur schlagartig sinkt und die Lichtintensität fällt, beginnen nachtaktive Insekten wie Grillen mitten am Tag zu musizieren.
  • Viele Pflanzen, die auf das Tageslicht reagieren, schließen während der Finsternis innerhalb weniger Minuten ihre Blüten und Blätter wie zur Nachtruhe.