Was feiern wir an Karneval und was haben Krawatten damit zu tun?
Was als heidnische Frühlingsfeier begann, hat sich über die Jahrhunderte zu einem der beliebtesten Feste in Deutschland entwickelt. Neben den rheinischen Hochburgen wird auch bei uns im Norden ordentlich Fasching und Karneval gefeiert.
Was es aber z. B. mit der Zahl 11 und den Funkenmariechen auf sich hat, haben wir hier kompakt für euch zusammengefasst:
Ein bisschen Geschichte
- Manche Hinweise auf eine Art Karneval reichen über 5.000 Jahre zurück. Im antiken Mesopotamien gab es Feierlichkeiten, bei denen der Herrscher und das Volk zusammen gefeiert haben. Dabei spielten die Masken eine große Rolle, um unerkannt zu bleiben.
- Auch in Rom und Griechenland wurden zu Ehren der Götter rauschende Feste gefeiert, bei denen Masken und Verkleidungen eine zentrale Rolle spielten. Diese Traditionen wurden später von den Germanen und Kelten übernommen, die ihre eigenen Frühlingsfeste begingen.
- Im Mittelalter entstand der Karneval wie wir ihn heute kennen. Übernommen von der Kirche war er die letzte Gelegenheit, vor der strengen Fastenzeit (die 40 Tage vor Ostern) ausgiebig zu essen und zu feiern.
- Der Name ist wahrscheinlich abgeleitet vom lateinischen „carne vale“, was so viel wie „Fleisch, lebe wohl“ bedeutet.
- Entgegen der Erwartung fand der erste dokumentierte Fastnachtszug 1397 in Nürnberg statt. Die rheinischen Hochburgen wie Köln oder Mainz gab es erst im 19. Jahrhundert.
- Durch die Gründung von Karnevalsvereinen bekamen dort die Feierlichkeiten einen neuen Rahmen. So gründete sich im Jahr 1823 das Festkomitee Kölner Karneval. 1829 schloss sich Aachen an.
- Nach dem Wiener Kongress 1815 übernahmen die Preußen das Rheinland. Die Kölner nutzten die Maskerade, um sich über die steifen preußischen Uniformen lustig zu machen. Die Uniformen der Funkenmariechen und Garden sind Persiflagen auf das preußische Militär.
- Die Weiberfastnacht hat ihren Ursprung in einem Statdteil von Bonn, wo Wäscherinnen 1824 begannen, sich gegen die Männerdomäne (nicht nur) im Karneval zu wehren. Es gründete sich bald das Alte Beueler Damenkomitee, das dann das Rathaus stürmte und als Symbol der Entmachtung die guten Krawatten der Herren abschnitt.
- Im selben Jahr wurde in Köln erstmals eine Quittung ausgestellt, die besagte, dass alle Sünden der Karnevalstage vergeben seien. Dies war die Antwort auf den kirchlichen Ablasshandel.
- Im Lauf der Jahre beschäftigte sich der Karneval auch mit gesellschafts- und sozialkritischen Themen, die mit den Wägen und in den Büttenreden satirisch und humoristisch aufgearbeitet wurden.
Ein paar Zahlen zum Weitererzählen
- In Deutschland gibt es über 5.300 registrierte Karnevalsvereine mit rund 2,6 Millionen Mitgliedern. Allein in Köln sind über 450 Vereine aktiv.
- Die Session 2024/2025 knackte die Marke von 2,1 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland. Grund war die außergewöhnlich lange Dauer der Session von 115 Tagen.
- Der Kölner Rosenmontagszug ist etwa 8 Kilometer lang und benötigt über 5 Stunden, um an einem Punkt vorbeizuziehen. Er gilt als der größte Umzug Deutschlands.
- Allein beim Kölner Rosenmontagszug werden jährlich rund 300 Tonnen "Kamelle" geworfen. Darunter befinden sich etwa 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Pralinenschachteln.
- Den Rekord für die längste Karnevalssitzung hält Düsseldorf mit einer Dauer von 35 Stunden und 22 Minuten (2007). Dabei traten über 150 Künstler vor insgesamt 2.000 Gästen auf.
- Der Einzelhandel setzt in einer Session rund 449 Millionen Euro nur mit Kostümen und Zubehör um.
- Die 11 gilt als Narrenzahl, weil sie eins über den 10 Geboten und eins unter den 12 Aposteln liegt. Sie steht symbolisch für die Maßlosigkeit und das Jenseits der Norm.
- Das Kölner Dreigestirn besteht immer aus Prinz, Bauer und Jungfrau, wobei auch die Jungfrau traditionell von einem Mann dargestellt wird. Dies ist so, weil Frauen in Karnevalsgesellschaften nicht zugelassen waren.
Karneval im Norden:
Der Schoduvel in Braunschweig
- Der Schoduvel in Braunschweig ist mit über 700 Jahren (1293) einer der ältesten und zudem der größte Karnevalsumzug in Norddeutschland.
- Der Begriff „duvel“ steht für Teufel und „Scho“ für scheuen, verscheuchen.
- Das Braunschweiger Dreigestirn besteht auch aus dem Prinzen, dem Bauern und dem Till, aber es gibt auch traditionell den Scheuchteufel, Erbsenbär und Frühling.
- Der Scheuchteufel ist eine Teufelsgestalt mit furchterregender Holzmaske und einem Filzhut. Während des Umzugs vertreiben ihn Hexen mit ihren Besen.
- Der Erbsenbär ist ein in Erbsenstroh gewickelter Bär und wird von Mägden am Strick durch die Straßen geführt.
- Der Frühling wird von einer Frau im Blumenkleid mit kleinen Maiglöckchen-Kindern dargestellt.
- Der Schlachtruf ist „Brunswiek Helau“
Karneval in Hannover
- Die älteste Erwähnung der Fastnacht in Hannover geht auf das Jahr 1395 zurück.
- Bereits im 17. bis 19. Jahrhundert feierten hannoversche Kurfürsten und Könige den Karneval im venezianischen Stil.
- 1888 gründeten 27 Männer den "St. Josephsverein Döhren" und trafen sich zur ersten Karnevalsveranstaltung.
- Ein zentrales Ereignis ist der große Karnevalsumzug durch die Innenstadt, der seit 1992 stattfindet.
- Der Ruf ist "Hannover Helau!"
Dammer Carneval
- Die Dammer Carnevalsgesellschaft wurde bereits 1614 gegründet.
- Die Dammer feiern ihren Umzug traditionell eine Woche vor dem eigentlichen Rosenmontag. Warum? Weil sie früher so exzessiv gefeiert haben, dass die Kirche zur Fastenzeit Ruhe einforderte, also haben sie das Fest einfach vorverlegt.
- Hier wird „Helau!“ gerufen
Der Fasching um den Ring in Ganderkesee
- Seit 1952 gibt es den "Fasching um den Ring" mit Umzug und Festbällen
- Der Name bezieht sich auf den Umzug um die zentrale Ganderkeseer Kirche
Ossensamstag in Osnabrück
- Der traditionelle Karnevalsumzug findet seit 1976 jährlich am Samstag vor Rosenmontag statt
- Der Narrenruf ist „Osna Helau!“
Außerdem
gibt es noch Karnevalsumzüge z. B. in Duderstadt (seit 1978) und in Goldenstedt und Lutten (seit 1999)